Der frühere Aussenminister Joschka Fischer (Grüne) hat sich in einem Interview mit dem Tagesspiegel für eine atomare Aufrüstung Europas ausgesprochen. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten sei die amerikanische Schutzgarantie «ab sofort ungewiss», erklärte Fischer. «Europa muss das machen», sagte der 77-Jährige, der eine nationale deutsche Atombombe jedoch klar ablehnt.
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Stattdessen fordert Fischer eine gemeinsame nukleare Bewaffnung der EU-Staaten. «Deutschland sollte nie wieder allein agieren, nie wieder. Wir brauchen unsere europäischen Partner», betont er. Die militärische Abschreckung sei notwendig, um einen «aggressionsbereiten Nachbarn» von einem Angriff abzuhalten. Er gehe sogar so weit, zu sagen: «Wäre ich heute jung, würde ich zur Bundeswehr gehen.» Eine Abrüstung sei für ihn keine Option mehr.
Fischer zeigt sich ernüchtert vom sicherheitspolitischen Kurs vergangener Jahre: «Zu lange sind wir der Illusion vom angeblich ewigen Frieden in Europa aufgesessen.» Nun sei es Zeit für eine «zügige und umfassende Aufrüstung».
Während Fischer auf eine europäische Lösung drängt, fordern andere Stimmen auch eine nationale Debatte. Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, sagte der Rheinischen Post: «Auch Deutschland muss sich dieser Frage stellen.» Der Nuklearforscher Rainer Moormann erklärte, Deutschland könne «innerhalb von drei Jahren» eine eigene Atombombe bauen.