Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, kritisiert das Vorgehen der USA im Krieg gegen den Iran und sieht keinen klaren strategischen Plan in Washington.
Ischinger sagte dem Magazin Stern: «Negativ überrascht hat mich, dass die amerikanische Regierung weiterhin keinen halbwegs verlässlichen Plan kommunizieren kann, was das Ziel der Intervention im Iran ist.» Das Schlimmste sei, «wenn man ohne klaren Plan, der auch mit den Verbündeten geteilt wird, in solche Operationen hineinstolpert».
KAY NIETFELD / KEYSTONE
Der frühere deutsche Botschafter in Washington bemängelt, dass die US-Regierung ihre Begründung für den Militäreinsatz mehrmals geändert habe. Am ersten Tag der Operation habe Präsident Donald Trump noch von «Regime Change» gesprochen. Inzwischen werde dieses Ziel kaum mehr erwähnt. «Washington hat die Begründung für den Einsatz jedoch gewechselt, so wie manche das Hemd wechseln», sagte Ischinger.
Nach Einschätzung des Sicherheitsexperten droht der Konflikt mit dem Iran zudem andere strategische Prioritäten des Westens zu verdrängen. Besonders betroffen sei die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. Deutschland müsse als europäische Führungsmacht gegenüber den USA deutlich machen, dass der Fokus weiterhin auf Kiew liegen müsse.
«Wir müssen uns auf die Ukraine konzentrieren, und nicht auch noch Munitionsknappheiten für die Ukraine verstärken durch eine längere militärische Auseinandersetzung mit dem Iran», sagte Ischinger. Für Europa müsse der Krieg in der Ukraine «absolute Priorität» behalten.
Der neue Konflikt im Nahen Osten lenke bereits jetzt Aufmerksamkeit und Ressourcen ab, warnte der ehemalige Diplomat. Gleichzeitig steige das Risiko zusätzlicher Spannungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Sollte sich der Krieg im Iran ausweiten oder länger dauern, könnte dies laut Ischinger die Fähigkeit des Westens schwächen, Russland weiterhin unter Druck zu halten.