Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, bezeichnete den ersten Entwurf von US-Präsident Donald Trumps 28-Punkte-Plan für einen Frieden in der Ukraine als «Zumutung» und forderte in der ARD-Sendung «Maischberger»: «Wir müssen alles unternehmen, um diese Zumutung zu korrigieren.»
Die neue Fassung mit nun 19 Punkten klammert zentrale Streitfragen zunächst aus – darunter vor allem territoriale Fragen. Darüber, so Melnyk, müssten letztlich die Präsidenten entscheiden. «Die Ukrainer stehen nun vor einer sehr, sehr schwierigen Wahl», sagte er. Der ursprüngliche Entwurf hatte in Kiew Entsetzen ausgelöst. Melnyk nannte ihn einen «Paukenschlag» und kritisierte, dass er «wie ein Blitz aus heiterem Himmel» gekommen sei.
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Nach Angaben aus europäischen Diplomatenkreisen wurde die ursprüngliche Version des Plans in Genf modifiziert. Dort hatten am Sonntag Vertreter der USA, der Ukraine und mehrere europäische Delegationen Gespräche geführt. Auch wenn EU-Vertreter nicht direkt mit am Tisch sassen, nahmen sie Einfluss – laut Melnyk insbesondere Deutschland, Frankreich und Grossbritannien. Kiew dankte seinen Partnern für die «Modifikation der Sichtweise».
In seiner Videoansprache am Dienstag zeigte sich Präsident Selenskyj verhalten offen: Die überarbeiteten «Grundsätze» könnten zu weitergehenden Vereinbarungen führen. Gleichzeitig betonte er, «viel hänge von Amerika ab», da Russland der US-amerikanischen Stärke besondere Aufmerksamkeit schenke. Er bekräftigte zudem seine Bereitschaft, auch mit Donald Trump über offene Punkte zu sprechen.
Westliche Unterstützer – darunter die sogenannte Koalition der Willigen – drängen nun auf verlässliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Diese waren in der ersten US-Fassung nicht enthalten. Ziel sei es, Russlands Fähigkeit zu einem erneuten Angriff nach Kriegsende durch konkrete Massnahmen zu begrenzen.