Der Philosoph Richard David Precht hat im Podcast «Hotel Matze» scharfe Kritik an der sicherheits- und europapolitischen Entwicklung in Europa geübt. «Wir haben bestimmte Fehlentwicklungen, da gehört die Militarisierung zu», sagte er. Die gegenwärtige Aufrüstung sei «gigantisch, historisch einmalig», und Europa marschiere «in die völlig falsche Richtung».
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Precht bezog sich auf Überlegungen des CDU-Politikers Friedrich Merz, ein «Kerneuropa» mit Staaten wie Polen, Frankreich und den Niederlanden zu bilden, während unzufriedene Länder wie Ungarn oder Slowenien ausgegrenzt würden.
Diese Idee nannte Precht altliberal und überholt. Sie folge dem Versuch, «im Fahrwasser der USA, von Biden, Obama und Clinton» ein Europa zu schaffen, das die «Fortsetzung der Hegemonie des Westens» anstrebe.
Doch dieser Ansatz, so Precht, ignoriere die Realität einer multipolaren Weltordnung. Machtzentren entstünden längst in Asien – in China, Indien, Indonesien oder Vietnam. «Wir glauben, wir könnten an dem Alten festhalten», kritisierte er, «doch das ist der Versuch, mit der Luftpumpe die Windrichtung zu ändern.»
Auch die enge Bindung an die USA sei nicht mehr zeitgemäss. «Es gibt den Westen nicht mehr», sagte Precht. Amerika und Europa seien auseinander gedriftet, und selbst eine Rückkehr demokratischer Regierungen in Washington würde daran nichts ändern.
Die Vorstellung eines «Mini-Westens» in Europa, der durch Aufrüstung und wirtschaftliche Programme wieder erstarke, hält Precht für illusionär. «Ein Maxi-Westen werden wir nicht mehr werden», sagte er. Merz sei in dieser Sichtweise «old school» und habe «den Ernst der Lage nicht begriffen».