In Wiens Grund- und Mittelschulen stellen muslimische Kinder mittlerweile die grösste Glaubensgruppe. Wie eine aktuelle Erhebung der Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) zeigt, sind 42 Prozent der rund 112.600 Schüler muslimisch – ein Anstieg um drei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Christen machen nur noch 35 Prozent der Schülerschaft aus, wobei fast die Hälfte dieser Gruppe der orthodoxen Kirche angehört. Weitere 23 Prozent sind konfessionell ungebunden.
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Die Zahlen rufen auch politische und pädagogische Besorgnis hervor. Emmerling, die sich für interreligiösen Dialog und Wertevermittlung einsetzt, warnt im Onlineportal Apollo: «Demokratie, Pluralismus und Gleichstellung müssen für Jugendliche selbstverständlich werden – besonders in jungen Jahren lässt sich diese Haltung prägen.» Doch insbesondere die Vermittlung dieser Werte stösst in Teilen der muslimischen Schülerpopulation auf Widerstände.
So verweisen laut Emmerling mehrere Studien auf eine überproportional häufige Verbreitung fundamentalistischer Haltungen. Genannt werden unter anderem antisemitische Einstellungen, Ablehnung von Gleichstellung der Geschlechter sowie Feindlichkeit gegenüber LGBTIQ-Personen. «Fundamentalistische Deutungen, die Frauen, Minderheiten oder den demokratischen Staat abwerten, dürfen in Wien keinen Raum haben», betont sie.