Er starb als lebende Legende, und lange wohl wird er unsterblich bleiben. Wie Franz Josef Wagner ging, ist nicht klar. Ob sein Herz aussetzte, ob er gehen wollte oder ob sein Lieblingstod wahr geworden ist: in Charlottenburg in der Paris-Bar zu sitzen, Weisswein zu trinken, eine Gavi, auf nichts warten zu müssen, dann nach Hause zu gehen ins Bett und nicht mehr aufzuwachen.
JENS KALAENE / KEYSTONE
Vor seinem 75. Geburtstag sagte er, dass auf seinem Grabstein «Lieber du wärst tot als ich» stehen solle. Er wusste selbst nicht, ob er das ernst meinte. Er lebte ein Leben, das Einsamkeit brauchte, Wein, Espresso, Gitanes-Zigaretten, Bars, Tennis, einen Porsche, Frauen und jenen Stachel der Unzufriedenheit, der Worte hervorbringt. Er war Chefredakteur und Kriegsreporter, er pendelte hin und her zwischen Playboy und Poet, zwischen seinem Traum vom idealen Satz und seinen vierzig Zeilen «Post von Wagner», die er 25 Jahre lang in der Bild-Zeitung schrieb und die ihn zum poetischen Gewissen Deutschlands werden liess.
Seine Sätze waren stets zwischen Boulevard und Balzac, zwischen Polemik und Pracht. Er konnte Menschen lieben, aber nicht mit ihnen leben, er träumte vom grossen Roman, bis zuletzt, aber als er ihn hätte schreiben können, fuhr er lieber mit seinem Porsche und einer Lady nach Saint-Tropez. Eine Handvoll Bücher schrieb er dennoch, aber nie jenes, das ihm vorschwebte. Dafür schrieb er Biografien über andere, über Beckenbauer und Becker etwa.
Vielleicht war er noch in Saint-Tropez, wo er immer im September hinging, «wenn der Sommer hier stirbt». Und wo er glücklich war, aufgehoben und bei sich selbst zu Hause. Wo er sich nachts im Narrengold des Mondes verlor und doch wiederfand und einen Traum träumte, von dem er wusste, dass er ihn zu spät im Leben hatte; von einem Haus mit blauen Fensterläden am Meer unter einem unendlichen, azurfarbenen Himmel.