Nach dem spektakulären Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen über die Weihnachtsfeiertage fahndet eine Sonderkommission mit 230 Beamten nach den Tätern. Die Polizei geht von einer professionell organisierten Bande aus, die sich über eine manipulierte Fluchttür Zugang zum Gebäude verschafft und fast alle der rund 3250 Schliessfächer im Tresor aufgebrochen hat. Die Beute soll sich laut ersten Schätzungen auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Bislang fehlt jede Spur von den Tätern.
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Ermittler fanden im Tresorraum und in angrenzenden Archiven mehr als 500.000 Gegenstände auf dem Boden – darunter Bargeld, Edelmetalle, Uhren und Dokumente. Die Sparkasse geht davon aus, dass die Einbrecher rund vierzig Stunden ungestört im Gebäude agieren konnten. Die Alarmsysteme blieben dabei offenbar wirkungslos. Zwar schlug ein Feueralarm am 27. Dezember an, ein Einbruchsalarm wurde jedoch nicht ausgelöst.
Die Sparkasse erklärte, ihre Sicherheitsvorkehrungen hätten dem «anerkannten Stand der Technik» entsprochen. Dennoch gerät das Institut unter Druck: Mehrere Anwälte bereiten Klagen vor. Einige Kunden meldeten Verluste von bis zu 400.000 Euro – versichert sind die Schliessfächer nur bis zu 10.300 Euro. Der Versicherungsjurist Jürgen Hennemann sprach in der Financial Times von einem «massiven Sicherheitsversagen».
Laut Welt könnte ein Insiderwissen im Spiel gewesen sein. Die Täter umgingen mehrere Sicherheitsschleusen, bevor sie mit schwerem Gerät ein 40 Zentimeter grosses Loch in die Wand zum Tresorraum bohrten. «Dass das nicht Klein Fritzchen war, der sich was ausgedacht hat, ist relativ wahrscheinlich», sagte Innenminister Herbert Reul. Er sprach von einer beispiellosen Tat, die an einen «Kinofilm» erinnere, und kündigte eine lückenlose Aufklärung an.