Ein Flüssigerdgas-Tanker auf dem Weg nach Europa hat wegen der angespannten Lage auf dem Weltgasmarkt seinen Kurs nach Asien geändert. Das Schiff «BW Brussels», das im Auftrag von Total Energies LNG aus Nigeria nach Europa transportieren sollte, habe seine Route geändert und Kurs auf Asien genommen, teilte das Analysehaus ICIS mit. Dies berichtet das Handelsblatt.
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Nach Einschätzung von Marktbeobachtern dürfte ein asiatischer Abnehmer einen höheren Preis geboten haben als der ursprünglich geplante Käufer in Europa. Der Vorfall gilt als erstes sichtbares Zeichen für einen möglichen globalen Bieterkampf um Flüssigerdgas.
Hintergrund ist der Krieg im Nahen Osten. Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran passieren laut Branchenangaben kaum noch Öl- oder LNG-Tanker die Strasse von Hormus. Durch die Meerenge wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Erdgases transportiert.
Experten erwarten ein deutlich knapperes Angebot auf dem Weltmarkt. Ein Energieberater erklärte dem Handelsblatt: «Als Russland die Ukraine angegriffen hat und die Gaslieferungen nach Europa eingestellt hat, sind 120 Milliarden Kubikmeter Gas weggefallen. Durch die gesperrte Strasse von Hormus fehlen dem Weltmarkt jetzt 110 Milliarden Kubikmeter.»
Europa ist zwar weniger direkt betroffen als beim Ausfall russischer Pipeline-Lieferungen. Dennoch verschärft sich der Wettbewerb um verfügbare LNG-Mengen. Asiatische Staaten wie China, Japan oder Indien sind besonders stark auf Importe angewiesen und verfügen teilweise über geringe Gasspeicher.
Ein Teil der globalen LNG-Lieferungen wird von Händlern wie BP, Shell oder Exxon gekauft und flexibel weiterverkauft. Die Frachter steuern dabei jene Märkte an, die den höchsten Preis bezahlen. Es werde einen «beinharten Bieterkampf» geben, so ein Experte.
Zusätzlichen Druck auf den Markt erzeugt Katar. Der staatliche Energiekonzern Qatar Energy erklärte wegen der kriegsbedingten Störungen höhere Gewalt («Force Majeure») für ausgefallene Lieferungen. Unternehmen, die nun Ersatz am Spotmarkt beschaffen müssen, könnten die Preise weiter nach oben treiben.