Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Weltkanzler der Weltfremdheit

Weltkanzler der Weltfremdheit

Friedrich Merz gibt auf der internationalen Bühne den Geopolitiker. Die Probleme des deutschen Alltags scheinen ihn nicht mehr zu erreichen.

Friedrich Merz (CDU) beginnt seine Kanzlerschaft mit der Spätphase. Und das nicht etwa wegen seines Alters (69), sondern weil er von Anfang an jene Politikfelder liebt und pflegt, die Langzeitregenten regelmässig am Schluss ihrer Laufbahn für sich entdecken: Aussen- und Geopolitik.

CLEMENS BILAN / EPA
Die ganz grossen Linien: Bundeskanzler Merz.
CLEMENS BILAN / EPA

Wer den deutschen Bundeskanzler am Mittwoch in der Generaldebatte über den Haushalt verfolgte, erlebte einen Regierungschef, der die stoische Schmerzfreiheit einer späten -Angela Merkel (CDU) an den Tag legte, die Vorrede von Oppositionsführerin Alice Weidel (AfD) an sich abprallen liess und mit sichtlicher Flughöhe über die Niedrigkeiten des innenpolitischen Alltags in die Sphären des Weltkanzlers entschwebte.

 

Mangelndes Sensorium

«Wir alle spüren: Die Entscheidungen, die vor uns liegen, gehen nicht um Details, sondern sie gehen um sehr Grundsätzliches. Es geht um nicht mehr und um nicht weniger als um die Zukunft unseres Landes, wie wir leben, wie wir zusammenleben, wie wir arbeiten, wie wir wirtschaften und ob unsere Werte weiterhin Bestand haben.» Frieden, Freiheit, Wohlstand, Zusammenhalt, die ganz grossen Linien, während sich die Normalbürger durch ihren Alltag mühen.

Die Rentner beziehen Rente, der Kanzler will «den Generationenvertrag neu denken» und «Wegmarken» für die Freiheit setzen. «Freiheit ist die Grundlage von allem. Ohne Freiheit ist alles nichts.» Stimmt, hilft aber weder von Bürokratie und Energiekosten geplagten Unternehmen noch Arbeitnehmern, die am schwankenden Standort Deutschland um ihren Job bangen.

Merz ist unbeliebt wie kaum ein anderer deutscher Kanzler nach seinem Start. Derzeit beurteilen 46 Prozent seine Arbeit positiv, genauso viele negativ (laut Prognose der Forschungsgruppe Wahlen). Das kann auch daran liegen, dass er innenpolitisch die strikte Ablehnung der AfD immer wieder betont und aussenpolitisch den Beistand für die -Ukraine. Beides kann man vertreten, schliesslich wird kein Partei- und Regierungschef seine schärfste Konkurrenz streicheln. Und in der -Ukraine ist Russland nun einmal der Aggressor, das allnächtliche Bombardement ziviler Wohn- und Geschäftshäuser durch russische Drohnen lässt sich mit kühlem Kopf beim besten Willen nicht mit irgendeinem Kriegsziel ausser der Zermürbung der Zivilbevölkerung erklären.

Das Problem bei Merz, was auch im Bundestag wieder zutage trat, ist das mangelnde Sensorium für die Stimmungslage im Land. Wenn ich weiss, dass ich es mit einem hohen Grad an Kriegsangst nicht nur im Osten zu tun habe, muss ich den deutschen Beitrag anders erklären. Wenn ich verkünde, dass das -deutsche Sozialsystem nicht mehr finanzierbar sei, kann ich nicht gleichzeitig Milliarden für die Ukraine ausgeben.

 

In der Spätphase

Wenn die AfD die einzige Partei ist, die nach der Wahl noch einmal zugelegt hat, kann ich nicht immer neu deren Unterstützer vor den Kopf stossen, ohne die Basis der etablierten Politik weiter zu zerstören. Wer das Hohelied der Demokratie singt, darf nicht ein Viertel der Wähler zu Irrläufern erklären.

In den Umfragen hat die Koalition aus Union und SPD ihre Mehrheit inzwischen verloren. Eine Kanzlerschaft in der Spätphase.

 

Ralf Schuler ist Politikchef des Nachrichtenportals Nius und Betreiber des Interviewkanals «Schuler! Fragen, was ist» (youtube.com/Aralf-schuler).

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.