Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen profitiert politisch von einer Krise mit Washington: Die Umfragewerte der Sozialdemokraten steigen sprunghaft, seit US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, sich die autonome Insel Grönland notfalls gewaltsam einzuverleiben. Dies berichtet das Portal Politico.
In einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Megafon liegt Frederiksens Partei aktuell bei 22,7 Prozent – ein Anstieg um fast zehn Prozentpunkte gegenüber dem Dezember. Damit wäre sie erneut stärkste Kraft im Parlament, wenn auch weiter auf Koalitionspartner angewiesen.
FILIP SINGER / KEYSTONE
«Es gibt eigentlich keine andere Erklärung dafür», sagt Anne Rasmussen, Politologin am King’s College London und an der Universität Kopenhagen. «Es ist in erster Linie Grönland.» Die Regierung Frederiksen habe Dänemarks Souveränität energisch verteidigt und damit ein rally around the flag-Momentum ausgelöst, wie es zuletzt in der Corona-Pandemie zu beobachten war.
Der Eklat mit Trump traf Frederiksen offenbar zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem historisch schlechten Abschneiden ihrer Partei bei den Kommunalwahlen im November – Kopenhagen ging erstmals seit hundert Jahren verloren – galt sie als angeschlagen. Ihre persönliche Zustimmung lag laut Yougov im Dezember bei nur 34 Prozent. Die neuerliche Zuspitzung mit den USA hat das Bild gewandelt.
Ob Frederiksen dieses Momentum für eine vorgezogene Neuwahl nutzt, bleibt offen. Spätestens am 1. November muss gewählt werden.