Noam Chomsky zählte lange zu den führenden linken Denkern: Ununterbrochen prangerte der jüdische Intellektuelle die Exzesse des US-Imperialismus in der Welt an.
Jetzt holen Chomsky, der als Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrte, die Files rund um Jeffrey Epstein ein. Chomsky stand mit dem Sexualstraftäter über Jahre im Austausch.
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Er schätze die «langen und tiefgehenden» Gespräche mit Epstein, schrieb er einmal. Dieser soll ihm phasenweise auch finanziell ausgeholfen haben. 2019 beklagte sich Chomsky, dass Epstein auf «schreckliche Art und Weise behandelt wurde».
Die E-Mails zwischen den beiden sind nun Grund genug für den Unrast-Verlag, Chomsky aus dem Programm zu nehmen. Der Autor sei «nicht mehr tragbar», heisst es beim deutschen Verlag, bei dem mehrere Schriften des Linguisten und Polit-Kommentators erschienen sind.
Das Unternehmen setze sich «für eine gerechte Welt und gegen Frauenhass und patriarchale Gewalt» ein, so die Begründung.
Die Gesinnungsjustiz, die sich im Rahmen der Epsteins-Files längst ausgebreitet hat, kennt kein Pardon mehr. Sie macht auch nicht halt vor linken Starintellektuellen. Cancel-Culture in Reinkultur ist im Vormarsch.
Chomsky selbst, der 2023 einen schweren Schlaganfall erlitten hat und seither mit massiven gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, bekommt das alles kaum noch mit. Sein Werk jedenfalls wird durch diese unwürdige Massnahme nicht geschmälert.