Der weltweit erfolgreichste Filmemacher James Cameron («Terminator», «Titanic», «Avatar»), von Haus aus Kanadier, lange wohnhaft in den noblen kalifornischen Küstenorten Malibu und Santa Barbara, hat seit knapp einem Jahr den neuseeländischen Pass.
Schon damals, als er kurz vor der Einbürgerung in den Kleinstaat stand, wetterte er über Trumps Amerika. «Ich sehe eine Abkehr von allem Anständigen. Amerika wird zu einer hohlen Idee, und ich glaube, sie höhlen es so schnell wie möglich aus, um sich selbst zu bereichern», sagte er.
YOAN VALAT / KEYSTONE
In Neuseeland habe er «nicht das Gefühl, jeden Tag auf der Titelseite über (Trump, die Red.) lesen zu müssen. […] Die neuseeländischen Medien haben etwas Gutes – zumindest bringen sie es erst auf Seite drei. Ich will das Gesicht dieses Typen einfach nicht mehr auf der Titelseite der Zeitung sehen. Dort (in Amerika, die Red.) kann man sich dem nicht entziehen, es ist, als würde man sich immer und immer wieder einen Autounfall ansehen.»
Nun erklärte Cameron in einem Gespräch mit dem amerikanischen Journalisten Graham Bensinger («In Depth with Graham Bensinger»), was ihn ganz genau dazu bewogen hatte, von Amerika nach Neuseeland auszuwandern. Der Grund hiess Corona.
Cameron: «Nach dem Ausbruch der Pandemie hatte Neuseeland das Virus vollständig eliminiert. Sie haben das Virus sogar zweimal eliminiert. Als es zum dritten Mal in mutierter Form auftauchte, gelang ihm der Durchbruch. Aber glücklicherweise hatten sie bereits eine Impfquote von 98 Prozent. Deshalb liebe ich Neuseeland. Die Menschen dort sind grösstenteils bei Verstand, im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die Impfquote bei 62 Prozent liegt und weiter sinkt – das geht in die falsche Richtung.» – «Wo würden Sie lieber leben?», fragte der Regisseur rhetorisch, «an einem Ort, der tatsächlich an die Wissenschaft glaubt, bei Verstand ist und an dem Menschen gemeinsam auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten können oder an einem Ort, an dem sich alle gegenseitig an die Gurgel gehen, extrem polarisiert sind, der Wissenschaft den Rücken kehren und im Grunde genommen in völligem Chaos wären, wenn eine Pandemie ausbräche?»
Als Bensinger einwarf, dass die Vereinigten Staaten immer noch «ein fantastischer Ort zum Leben» seien, stellte Cameron ihm die Frage: «Ist das so?» Worauf Bensinger fortfuhr, «aber Neuseeland ist einfach atemberauben schön». Cameron: «Ich bin nicht wegen der Landschaft dort, ich bin wegen des gesunden Menschenverstandes dort.»
Der 71-jährige Milliardär kaufte bereits 2011 eine Farm in Neuseeland. Die Insel hat 5,3 Millionen Einwohner. Dort betätigt er sich als Biobauer. «Wir sind auf Gemüse spezialisiert, hauptsächlich Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl, Romanesco. Wir sind der grösste Produzent von Bio-Kreuzblütengewächsen in Neuseeland», sagte er stolz. Seit rund fünfzehn Jahren lebt Cameron vegan.