Man muss sich das einmal in aller Nüchternheit zu Gemüte führen: Während die politischen Eliten in Berlin und Brüssel in einer Art berauschten Sorglosigkeit verharren, tritt mit Tino Chrupalla eine Stimme in den Ring, die das Unaussprechliche ausspricht. Wir stünden, so Chrupalla bei Markus Lanz, an der Schwelle zum Dritten Weltkrieg. Eine steile These? Gewiss. Aber in einer Zeit, in der sich die deutsche Politik fast schon euphorisch in globale Stellvertreterkonflikte stürzt, ist diese Warnung weit mehr als nur politisches Getöse – sie ist ein notwendiger, ein existenzieller Weckruf.
Chrupalla prangert mit Recht eine Doppelmoral an. Da wird das Völkerrecht bei jeder Gelegenheit wie eine Monstranz vorgetragen, wenn es darum geht, den moralischen Zeigefinger gegen Moskau oder andere unliebsame Akteure zu erheben. Doch sobald die eigenen Alliierten im Nahen Osten die Regeln dehnen oder brechen, herrscht im Berliner Regierungsviertel plötzlich das grosse Schweigen im Walde. Diese selektive Wahrnehmung der Welt ist nicht nur verlogen, sie ist brandgefährlich.
Blicken wir der Realität ins Auge: Das Völkerrecht ist, so schmerzhaft diese Einsicht für alle Romantiker der Weltpolitik auch sein mag, keine verlässliche Bank. Es ist im Ernstfall nicht mehr als das Papier, auf dem es steht, wenn es nicht durch Macht und reale Interessen gedeckt ist. Wer die Sicherheit seines Landes auf der Illusion aufbaut, dass sich im Konfliktfall alle an die beschlossenen Regeln halten, handelt grob fahrlässig. Wir müssen zurück zur Schule des Realismus.
Es ist demokratiepolitisch geradezu lebensnotwendig, dass es Stimmen gibt, die sich gegen das «Dauergeplapper» und die kriegerische Rhetorik der moralisch Selbstgerechten stellen. Chrupalla markiert den «Last Man Standing», eine einsame Stimme der Vernunft, die anmahnt, dass Deutschland nicht die Aufgabe hat, der Weltmeister im Völkerrecht oder der Schiedsrichter des Planeten zu sein.