Das US-Kriegsministerium prüft, für die Ukraine vorgesehene Waffenlieferungen teilweise in den Nahen Osten umzuleiten. Dies berichtet die Washington Post. Ein Pentagon-Sprecher erklärte dazu, man werde «sicherstellen, dass US-Streitkräfte sowie unsere Verbündeten und Partner über das verfügen, was sie zum Kämpfen und Gewinnen brauchen».
JOSE SARMENTO MATOS / POOL / KEYSTONE
Hintergrund ist der laufende Konflikt mit Iran, der die amerikanischen Munitionsbestände stark beansprucht. Nach Angaben von mit den Vorgängen vertrauten Personen wurden in wenigen Wochen bereits tausende Ziele angegriffen, wodurch insbesondere Luftabwehrraketen knapp werden. Im Zentrum der Überlegungen stehen deshalb Abfangraketen für Systeme wie Patriot oder THAAD, die sowohl im Nahen Osten als auch in der Ukraine dringend benötigt werden.
Eine Entscheidung über eine Umleitung der Lieferungen ist laut Bericht noch nicht gefallen. Dennoch zeigt die Debatte die wachsenden Zielkonflikte der US-Militärstrategie: Die parallele Unterstützung der Ukraine und die Führung eines weiteren Krieges setzen die vorhandenen Ressourcen zunehmend unter Druck.
Die Lieferungen an Kiew erfolgen derzeit zu einem grossen Teil über ein Nato-Programm, bei dem europäische Staaten US-Waffen für die Ukraine finanzieren. Dieses System hat bisher einen kontinuierlichen Zufluss insbesondere bei der Luftverteidigung sichergestellt. Nato-Generalsekretär Mark Rutte betonte, dass diese Ausrüstung «weiterhin» geliefert werde.
Gleichzeitig mehren sich in Europa Sorgen, dass die USA ihre Bestände schneller aufbrauchen als erwartet. Diplomaten sprechen von einem hohen Verbrauch an Munition im Nahen Osten, der künftige Lieferungen verzögern oder reduzieren könnte. Bereits diskutiert wird, ob kommende Pakete für die Ukraine ohne zentrale Luftabwehrkomponenten auskommen müssen.
Auch politisch wächst der Druck: US-Präsident Donald Trump deutete an, dass Umverteilungen militärischer Ressourcen üblich seien. Parallel sollen Teile der von Nato-Staaten bereitgestellten Mittel vorübergehend zur Auffüllung amerikanischer Lagerbestände verwendet werden.
Für die Ukraine bedeutet dies eine Phase erhöhter Unsicherheit. Zwar laufen bestehende Lieferungen weiter, doch die Prioritäten könnten sich verschieben – mit direkten Folgen für die Verteidigungsfähigkeit des Landes.