Nach dem christlichen Glauben wurde an der Weihnacht Jesus Christus geboren. Er ist der Sohn Gottes und verkörpert somit Gott selber. Warum ist das wichtig?
Die biblische Geschichte beginnt damit, dass der Mensch als Mann und Frau von Gott geschaffen und in den Garten Eden platziert wird. Der Garten Eden ist ein Wohnort ohne Leiden und ohne Konflikte. Aus unerfindlichen Gründen gibt sich der Mensch damit nicht zufrieden, sondern kommt wegen Einflüsterungen eines Schlangenwurms auf die Idee, Gott habe ihm unkorrekte Einschränkungen auferlegt, die er, der Mensch, überwinden müsse.
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Er übertritt deshalb das Verbot Gottes, vom Baum der Erkenntnis zu essen, in der Hoffnung, er würde dann mit göttlichen Eigenschaften ausgestattet und könne zwischen Gut und Böse unterscheiden. Stattdessen wird er von Entfremdungs- und Schamgefühlen befallen: Er versteckt sich vor Gott und bedeckt seine Genitalien.
Diese Erzählung beschreibt eine Grundbefindlichkeit des Menschen, die alle Kulturen durchzieht: Ich lebe irgendwie in einem defizitären Zustand, und die Dinge sind nicht so behaglich, wie sie sein könnten oder müssten. Diese Grundbefindlichkeit hat die Menschen ebenso zu bewundernswerten wie auch zu schauderhaften Fantasien und Handlungen getrieben.
Immer geht es darum, die Kluft zwischen dem Sein und dem Sein-Sollen zu überwinden. Und es gibt ja Götter und Gottheiten, die sich scheinbar von den Bemühungen der Menschen einholen lassen, sodass in den unruhigen menschlichen Seelen Befriedigung einkehrt.
Aber der Gott der Juden und Christen lässt sich davon nicht beeindrucken. Er ist eben der wahrhaftige Gott und daher unerreichbar. Er verlangt keine immer höheren religiösen Leistungen – sondern dreht die Geschichte einfach um, indem er sagt: Hört auf, mir nachzustellen, es ist sinnlos.
Ich komme zu euch. Ich offenbare mich als Mensch, sodass ihr meine Liebe erfahrt und endlich versteht, dass eure Krämpfe und eure moralischen Kraftakte unnötig sind: Es genügt, mir zu vertrauen. Nur auf diese Weisheit kommt es an.