Die wachsende Steuervermeidung von Milliardären wird in den USA zunehmend als wirtschaftliches Risiko gewertet. Hintergrund ist eine Initiative in Kalifornien, die eine einmalige Vermögensabgabe von 5 Prozent auf Vermögen über einer Milliarde Dollar vorsieht. Ziel ist es, milliardenschwere Lücken im Gesundheitsbudget nach Kürzungen im Medicaid-Programm zu schliessen.
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Mit 255 Milliardären beherbergt Kalifornien laut Daten des Analysehauses Altrata mehr als ein Fünftel der US-Superreichen. Für die geplante Abgabe müssten zunächst genügend Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt werden, diese müsste danach von einer Mehrheit gebilligt werden. Kritiker verweisen auf Konstruktionsprobleme: Die Steuer würde sich am höheren Wert von Stimmrechts- oder Kapitalanteil orientieren – ein Modell, das Gründer mit Mehrfachstimmrechten besonders belasten könnte. Zudem droht Abwanderung. Google-Mitgründer Sergey Brin hat Kalifornien bereits verlassen, Palantir-Mitgründer Peter Thiel erwägt nach eigenen Angaben ähnliche Schritte.
Unabhängig vom Ausgang verschärft sich die Debatte. Nach Daten der US-Notenbank hält das reichste Prozent der Haushalte inzwischen 32 Prozent des Gesamtvermögens – ein Rekordwert von 54,8 Billionen Dollar. Der Anteil der obersten 0,1 Prozent stieg seit 1990 um fast sechs Prozentpunkte auf 14,4 Prozent. Die untere Hälfte der Bevölkerung verfügt dagegen nur noch über 2,5 Prozent des Vermögens.
Gemäss Studien liegt der effektive Steuersatz der 400 reichsten Amerikaner bei rund 24 Prozent – deutlich unter jenem von Spitzenverdienern mit Lohneinkommen. Milliardäre umgehen hohe Einkommensteuern häufig, indem sie sich in Aktien statt Gehalt entlohnen lassen und Kredite gegen ihre Beteiligungen aufnehmen. Das sogenannte buy, borrow, die-Modell ermöglicht Vermögensübertragungen mit minimaler Steuerlast.
Ökonomen warnen, dass die US-Wirtschaft dadurch stärker von der Ausgabefreude einer kleinen, börsenabhängigen Elite abhängt. Die wohlhabendsten 20 Prozent der Haushalte bestreiten inzwischen fast 60 Prozent der privaten Ausgaben. Sollte die Vermögenskonzentration weiter steigen, dürfte der politische Druck auf nationale Steuerreformen wachsen.