Die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2025 wird international scharf kritisiert. Der israelische Journalist Gideon Levy fordert in einem Kommentar für die Zeitung Haaretz, Israel aus dem Wettbewerb auszuschliessen – wegen der anhaltenden Militäroffensive im Gazastreifen. «Eine Nation, die Völkermord begeht, kann nicht weiter singen», schreibt Levy. Israels Teilnahme sei ein moralisches Armutszeugnis für Europa.
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Levy zieht den Vergleich zum Ausschluss Russlands 2022 nach dem Einmarsch in die Ukraine. Damals habe es keinen Aufschrei gegeben – es sei eine «selbstverständliche moralische Entscheidung» gewesen. Israel hingegen dürfe weiterhin auftreten, obwohl die Armee laut Uno-Experten für den Tod von über 18.000 Kindern in Gaza verantwortlich sei. Zum Vergleich: In der Ukraine starben seit Beginn des Krieges rund 659 Kinder.
«Dass Israel überhaupt in Erwägung zieht, an einem internationalen Spektakel mit Pailletten und Spezialeffekten teilzunehmen, während in Gaza Städte zerstört werden, zeigt, wie sehr das Land seine moralische Orientierung verloren hat», schreibt Levy. Der ESC sei zwar offiziell unpolitisch – doch in Wahrheit sei seine Besetzung hochsymbolisch.
Der Vorwurf, Europas Kritik sei antisemitisch motiviert, ist laut Levy «eine Ausrede». Der Grund für die ablehnende Haltung sei nicht «der Islam in Europa», sondern die «Tausenden getöteten Kinder». Die westliche Öffentlichkeit habe, anders als israelische Medienkonsumenten, Zugang zu Bildern des Krieges – und könne angesichts dieser Gräuel nicht schweigen.
Levy schreibt weiter: «Israel sollte gar nicht versuchen, in irgendeinen Klub aufgenommen zu werden, der Kriegsverbrecher als Mitglieder duldet. Auf der Bühne der Wiener Stadthalle zu tanzen – auf dem Blut Gazas – ist eine Schande für Europa.»