Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Warum ein EU-Beitritt der Schweiz jeden Einwohner ärmer machen würde

Omid Nouripour, Vizepräsident des Deutschen Bundestags von Bündnis 90 / Die Grünen, will der Schweiz eine «Turbo-EU-Mitgliedschaft» anbieten. Als Begründung werden die hohen US-Zölle für die Schweiz angeführt, die mit 39 Prozent markant über den der EU auferlegten Zöllen von 15 Prozent lägen. Nouripour gibt sich als Wohltäter der Schweiz aus, obwohl ein EU-Beitritt der Schweiz noch mehr Nachteile als die amerikanischen Schutzzölle bescheren würde.

© KEYSTONE / GAETAN BALLY
A Swiss and a European Union table flag, captured in an office space in Zurich, Switzerland on February 12, 2015
© KEYSTONE / GAETAN BALLY

Doch was wären die Konsequenzen?

Die Schweiz müsste aufgrund ihrer Wirtschaftsleistung Jahr für Jahr rund elf Milliarden Franken nach Brüssel abliefern, wobei dieser Betrag laufend ansteigen wird – wegen des nominellen Wirtschaftswachstums der Schweiz und des Geldhungers der EU. Dieser Beitrag würde die Ausgaben des Bundes um rund 13 Prozent anschwellen lassen, die andernorts kaum einzusparen wären.

Ein EU-Beitritt würde eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von heute 8,1 auf mindestens 15 Prozent nach sich ziehen. Die Erhöhung um knapp sieben Prozentpunkte würde rund zwanzig Milliarden in die Schweizer Bundeskasse spülen. Aber diese zusätzliche Belastung würde die Konsumenten schwer treffen und einen Inflationsschub auslösen. Eine Senkung der persönlichen Einkommenssteuern im Gegenzug würde Links-Grün aus «Gerechtigkeitsgründen» ablehnen. Der zusätzlichen Steuerertrag würde wohl grossenteils für die EU-Zwangsbeiträge eingesetzt.

Ein Euro-Beitritt wäre obligatorisch, denn die Schweiz erfüllt alle Voraussetzungen dazu und könnte nicht wie früher einige nordische Länder eine Ausnahme erwirken. Für Neumitglieder gibt es kein Opting-out-Recht mehr. Damit würde die Schweizerische Nationalbank überflüssig, zumindest für die Geldpolitik, denn der Leitzins würde künftig in Frankfurt von der Europäischen Zentralbank festgelegt, unabhängig davon, wie die Konjunktur und die Teuerung in der Schweiz verliefen. Tendenziell dürften die Zinsen ansteigen, denn die derzeitig hohe Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und den EU-Ländern würde dazu führen, dass sich Investoren kostengünstig in der Schweiz refinanzieren und dieses Geld in höherverzinsliche Anlagen in anderen Euro-Ländern investieren würden. Die Zinsdifferenz würde dadurch schrumpfen. Eine Zinserhöhung um 1 Prozent in der Schweiz würde nicht nur die Staatshaushalte belasten, sondern vor allem die Eigenheimbesitzer und Mieter treffen, denn bei einem ausstehenden Hypothekarvolumen von 1223 Milliarden Franken (Mai 2025) bedeutet jedes Prozent Zinserhöhung zusätzliche Zinskosten von 12 Milliarden. Und selbstverständlich würden sich auch die Unternehmenskredite verteuern. Wie unsere Pensionskassen oder die AHV die Umstellung auf Euro bewältigen würden, ist ebenfalls unklar. Man kann sich auch kaum ausdenken, was die Umstellung auf Euro für alle Verträge, Versicherungen, Hypotheken etc. bedeuten wird.

Die Inflation dürfte in der Schweiz inskünftig höher ausfallen als in der Vergangenheit, nicht nur wegen der mit einem EU-Beitritt notwendigen Mehrwertsteuererhöhung und der steigenden Mieten infolge höherer Hypothekarzinsen. Seit dem Euro-Start 1999 betrug die Inflation im Euro-Raum 2,1 Prozent pro Jahr, in der Schweiz hingegen nur 1,4 Prozent. Das tönt nach einem geringen Unterschied, aber über die fast 27 Jahre summiert sich die Teuerung im Euro-Raum auf 75 Prozent, in der Schweiz auf 44 Prozent. Einmal an den Euro gekettet, würde die Schweiz nicht mehr von der laufenden Verbilligung der Importpreise dank der jährlichen Abwertung des Euros zum Franken von rund 2 Prozent profitieren.

«Aber dann könnte die Schweiz bei der EU mitreden!» Eine weitere Schönfärberei, wenn man bedenkt, dass die Schweiz mit etwa gleich viel Einwohnern wie Österreich im EU-Parlament wohl maximal 20 von 720 Sitzen einnehmen würde. Mit einem Stimmenanteil von 2,7 Prozent ist die Mitsprache eine Illusion, zumal die Parlamentarier im EU-Parlament nicht in erster Linie ihre Herkunftsländer vertreten, sondern sich jeweils in einzelnen Fraktionen bündeln und deren ideologische Ziele mittragen.

Fazit: Viel bezahlen und nichts zu sagen haben. Die finanziell marode EU sucht einen weiteren Goldesel, den sie finanziell ausbeuten kann. Während die US-Zölle eines Tages vielleicht wieder abgebaut oder aufgehoben werden, blieben die Verpflichtungen der Schweiz der EU gegenüber bestehen. Es sind nicht nur die EU-Beiträge, sondern vor allem die übrigen Folgekosten und Demokratieverluste, die in keinem Verhältnis zu den Vorteilen stehen, die ein EU-Beitritt bringen soll. Ein EU-Beitritt bedeutet das Ende unseres Wohlstandes.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.