Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Warum der Volksaufstand im Iran scheiterte

Anhören ( 2 min ) 1.0× +
Warum der Volksaufstand im Iran scheiterte
Warum der Volksaufstand im Iran scheiterte
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Der iranische Aufstand scheitert nicht am Mut oder an der Breite des Protests, sondern an der technologischen Überlegenheit des Regimes. Chinesische Überwachungstechnologien ermöglichen es ihm, Widerstand früh zu erkennen, effizient zu zerschlagen und jeden einzelnen Bürger auszuspähen. Neu ist weniger die Brutalität als die Geschwindigkeit, mit der die Dynamik des Widerstands erstickt wird. Regelmässige Treffen zwischen dem iranischen Polizeichef Ahmad-Reza Radan und dem chinesischen Sicherheitsminister Wang Xiaohong zeigen, wie sehr die Ajatollahs bemüht sind, vom Schwergewicht der Branche zu lernen. Ihr letztes Treffen fand im Dezember statt, nur Wochen vor Ausbruch der Proteste.

ABEDIN TAHERKENAREH / KEYSTONE
KEYPIX - epa12646179 Iranians walk next to a billboard reading 'Iran is our Homeland' at Enqelab Square in Tehran, Iran, 13 January 2026
ABEDIN TAHERKENAREH / KEYSTONE

Das Regime hat ein System der lückenlosen Kontrolle aufgebaut. So sind Überwachungssysteme integraler Teil des nationalen Baustandards. Sie gelten für Städte, Wohnanlagen sowie Büro- und Geschäftsgebäude mit vier oder mehr Einheiten. Im April veröffentlichte die Polizei ein neues Strategiepapier: Vorgesehen sind die Verknüpfung städtischer Kameras, der Ausbau der Gesichtserkennung, flächenhafte Kennzeichenerfassung, mobile Überwachungssysteme und der Austausch von Milliarden Datensätzen mit staatlichen und privaten Stellen. Zudem tragen alle Einsatzkräfte Bodycams, die bei Demonstrationen aktiviert werden. Auch Schulen werden mit Kameras überwacht.

Die digitale Repression wirkt doppelt: präventiv, weil die Angst vor Identifikation lähmt, und nachträglich, weil Festnahmen nicht mehr im Tumult erfolgen müssen. Wer nur kurz auf der Strasse sichtbar war, kann Tage oder Wochen später zu Hause abgeholt werden.

Chinas Rolle beschränkt sich nicht auf Technik. Seit 2015 ist die People’s Public Security University of China, die zentrale Polizeiakademie des Landes, Ausbildungszentrum für iranische Polizeioffiziere. Dort erfolgt der gezielte Transfer repressiver Sicherheitsdoktrinen und Überwachungstechnologien. 2018 unterzeichnete Irans Nationale Polizeiuniversität ein Abkommen, das den Austausch und die Schulung institutionalisiert. Absolventen der Kurse, meistens Offiziere der Revolutionsgarden, nehmen dort an Rollenspielen teil. Nach ihrer Rückkehr werden sie oft rasch befördert und drängen auf die Anschaffung der nötigen chinesischen Technik.

Chinas Gewinn liegt nicht nur im Verkauf von Technik. Die Überwachungstechnologien ermöglichten es der Volksrepublik, ihre Effizienz beim Niederschlagen von Protesten zu testen. Iran wird zum Schaufenster, wie Unruhen unterdrückt werden können, ohne Panzer rollen zu lassen. Brutal bleibt es dennoch – nur moderner, schneller, systematischer. Und solange die Ursachen der Revolte fortbestehen, bleibt dem Regime in Teheran vor allem eines: der Rückgriff auf das chinesische Arsenal.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.