Rahel Freiburghaus spricht sich dafür aus, ältere Menschen zum Schweigen zu bringen. «Junge Stimmen stärker zu gewichten oder sogar das Wahlrecht ab einem gewissen Alter zu streichen, würde die Dominanz der Senioren brechen», sagt die Jungpolitologin, die mittlerweile auch schon über dreissig ist, in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger. Damit soll eine «Gerontokratie» – die Herrschaft der Alten – zumindest verlangsamt werden. Ältere Menschen seien aufgrund der Demografie in der Politik stärker repräsentiert als die Jungen, so die Sorge der Politologin. Ihre «Idee» ist nicht neu, wird aber mit der Zeit auch nicht kluger.
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Das Wahlrecht ist in der Bundesverfassung verankert und gilt für alle Schweizerinnen und Schweizer, «die das 18. Altersjahr zurückgelegt haben» und mündig sind. Geht es nach Freiburghaus, soll den Senioren aber nicht nur das aktive Wahlrecht, also die Teilnahme an Abstimmungen bei Volksinitiativen und Referenden, verwehrt werden. Auch das passive Wahlrecht und damit die Möglichkeit, in ein Parlament oder in eine Regierung gewählt zu werden, will sie den Alten wegnehmen. «Auf kantonaler und nationaler Ebene ist die ältere Generation auch in Regierungen und Parlamenten deutlich stärker repräsentiert als die jüngere.»
Während Freiburghaus den Schweizer Senioren, die ihr ganzes Leben geschuftet, Steuern und Abgaben für die Sozialwerke bezahlt haben, den Mund verbieten will, sollen Jugendliche ab 16 sowie Ausländer viel schneller und einfacher das Wahlrecht bekommen. Dahinter verbirgt sich die alte, sehr linke Hoffnung, dass Ausländer und Kinder eher links wählen und abstimmen, jedenfalls linker als die älteren Menschen. So zeigt etwa der jüngste SRG-Wahlbarometer, dass das Links-rechts-Gefälle zwischen den Altersgruppen hoch ist. Bei den Themen EU, Klimawandel, Landesverteidigung, Wohnungspreise oder der Reform der Altersvorsorge liegen die Prioritäten bei der Altersgruppe 18 bis 35 Jahre weit auseinander von jenen der Altersgruppe über 65.
Wenn man – wie Freiburghaus – politisch Andersdenkende, -stimmende und -wählende anhand von biologischen Kriterien wie dem Lebensalter diskriminieren will, könnte man das gleiche Gedankenspiel auch umgekehrt machen. Das Wahlrecht erst ab 50. Oder nur für Männer, die in der Tendenz etwas weniger links stimmen und wählen als die Frauen. Man stelle sich vor, ein nicht mehr ganz so junger männlicher Kollege von Freiburghaus würde einen entsprechenden «Input» in die Diskussion werfen. Politologe Adrian Vatter macht es diplomatisch und widerspricht Freiburghaus im gleichen Interview klar. «Die Vorstellung, dass die Boomer dank ihrer grossen Zahl eigene Interessen durchsetzen, ist falsch. Die politischen Präferenzen dieser Generation sind genauso unterschiedlich wie bei anderen Jahrgängen.»