Immer mehr Staaten in Europa und Asien wollen Jugendlichen den Zugang zu sozialen Medien gesetzlich untersagen oder stark einschränken. Regierungen von Frankreich bis Indien prüfen Altersgrenzen zwischen 14 und 16 Jahren oder haben entsprechende Vorhaben bereits beschlossen, berichtet das Wall Street Journal.
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Auslöser ist ein wachsender politischer Druck wegen steigender Zahlen von Angststörungen, Depressionen und Selbstverletzungen unter Jugendlichen. Kritiker machen exzessive Smartphone-Nutzung und algorithmisch gesteuerte Kurzvideo-Feeds auf Plattformen wie Tiktok, Instagram und Youtube mitverantwortlich.
Als Vorreiter gilt Australien: Dort trat im Dezember ein Verbot für unter 16-Jährige in Kraft. Plattformbetreiber mussten Millionen Konten deaktivieren.
Seither folgten Initiativen in mehreren EU-Staaten. In Frankreich billigte die Nationalversammlung ein Verbot für unter 15-Jährige, das noch vor Beginn des neuen Schuljahres Gesetz werden soll. Spanien plant eine Altersgrenze von 16 Jahren, auch in Deutschland und Grossbritannien laufen entsprechende Vorbereitungen.
Der britische Premierminister Keir Starmer kündigte an, gegen «süchtig machende Elemente» wie Autoplay und endloses Scrollen vorzugehen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte auf einem KI-Gipfel in Delhi vor negativen Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche und stellte strengere Regeln in Aussicht.
In den USA setzt der Bundesstaat Florida bereits ein Verbot für unter 14-Jährige durch. Mehrere weitere Bundesstaaten verlangen Warnhinweise zu möglichen psychischen Risiken.
Technologiekonzerne wie Meta Platforms und Snap Inc. weisen den Vorwurf zurück, ihre Produkte machten süchtig. Pauschale Verbote seien ein grobes Instrument und könnten Jugendliche in weniger regulierte Onlineräume verdrängen.