Die Nachricht klingt wie ein Technologiedrama im Achterbahntempo: «Von 95 Prozent auf null» – so formulierte Nvidia‐Chef Jensen Huang den Absturz des Konzerns im chinesischen Markt für Top-KI-Chips. Der US-Export-Stopp greift – konsequent und schonungslos. Wer wie der Nvidia-Chef global denkt, sieht sich mit einer Welt konfrontiert, in der Marktzugänge jederzeit politisch gekappt werden können. Für Konzerne heisst das: Risikoaufschläge einkalkulieren, Lieferketten neu denken, China als Wachstumstreiber neu bewerten – oder eben ganz abschreiben.
© 2025 Stephen Lam / S.F. Chronicle
Das trifft zuallererst die USA. US-Firmen verlieren ihr China-Geschäft und damit jenen technologischen Hebel, mit dem sie bisher steuern konnten, was, wie im Reich der Mitte produziert wird. Wer glaubt, Trumpismus könne mit Zöllen, Exportverboten und Technologiesperren Lockdowneffekte erzeugen, irrt: Die Karten werden neu gemischt – und nicht unbedingt zu Amerikas Gunsten. Für Huawei, Alibaba, Tencent und Co. hat sich ein technologisches Zeitfenster geöffnet, das früher verschlossen war. Der Verlust von Nvidia-Technologie zwingt zur Beschleunigung der eigenen Entwicklung – «Chips made in China» bekommen ein neues Gewicht.
Geholfen ist keinem, denn: Bleibt es bei der Abschottung, entstehen zwei getrennte, möglicherweise verfeindete Systeme. Kein Handel verlangsamt den Fortschritt und ist immer teurer als ein fruchtbarer Austausch. Der Fall Nvidia zeigt exemplarisch, wie die Ära der «globalen Marke» vorbei ist. Dass das ausgerechnet im Chipmarkt beginnt, ist kein Zufall, sondern geopolitisches Interesse: Chipmacht bedeutet im Zeitalter von Digitalisierung und KI Weltmacht, und in dieses Räderwerk ist Nvidia mitten hineingeraten.