Er war der Liebling der Gen-Z, jetzt ist er der Streitfall der Detailhändler: Joung Gustav steht seit einigen Tagen im Zentrum einer Debatte über Meinungsfreiheit, Marketing und Moral.
Bekannt wurde der Zürcher mit kurzen, schnell geschnittenen Strasseninterviews. Er sprach Passanten an, provozierte, flirtete, überraschte und räumte Klicks ab. Auf Tiktok baute er sich innert weniger Jahre ein Millionenpublikum auf.
2023 folgte der Schritt vom Content zur Ware. Mit der Getränkemarke Vyte brachte er ein Vitaminwasser auf den Markt, das in Filialen von Migros und Coop verkauft wurde. Der Influencer als Unternehmer: Das Modell schien lange aufzugehen.
Bis es zum Bruch kam. Auf einem bis dahin sehr viel weniger beachteten Nebenkanal äusserte sich Gustav migrationskritisch zur Schweizer Asylpolitik.
Die Reaktionen waren heftig. Migros beendete die Zusammenarbeit, Coop nahm das Produkt später ebenfalls aus dem Sortiment, offiziell aus wirtschaftlichen Gründen, aber zeitlich auffällig dicht an der Entscheidung der Migros. Joung Gustav selbst sprach danach von politischer Ausgrenzung und befand, heute gelte: «Sei links oder sei ruhig.»
Die einstige Lifestyle-Figur ist seither eine Projektionsfläche, benutzt von Politikern aller Couleur für die gewünschte Botschaft. Die einen sehen in ihm ein Symbol dafür, dass die Wirtschaft Haltung nur duldet, solange sie ins Sortiment passt. Die anderen verweisen auf die Freiheit des Markts und seiner Teilnehmer.
Erstaunlich angesichts der Durchdringung, die er zwischenzeitlich erreicht hat: Über seine restliche Biografie ist wenig bekannt. Es gibt keine ausführlichen Porträts und kaum private Details.
Joung Gustav bleibt damit eine Kunstfigur mit Millionenreichweite. Allerdings mit einer neuen, unfreiwilligen Facette. Er wurde zum Botschafter der Frage, ob man sich heute noch eine eigene Meinung leisten kann, wenn man sein Geschäft nicht verlieren will.