Auch der Europarat wird in den Sumpf um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hineingezogen. Das Ministerkomitee des Europarats hat die Immunität des ehemaligen Generalsekretärs Thorbjørn Jagland aufgehoben, nachdem die norwegischen Behörden ein Verfahren wegen Vorwürfen schwerer Korruption eingeleitet hatten.
Der aktuelle Generalsekretär Alain Berset inszeniert sich dabei als Hüter von Anstand, Gesetz und Moral. «Nach den Enthüllungen vom November 2025 habe ich alle Massnahmen ergriffen, die ich für notwendig gehalten habe, um die Integrität und den Ruf des Europarates zu schützen», erklärte Berset. Er habe die Eröffnung einer «informellen internen Verwaltungsuntersuchung angeordnet». Die Aufhebung der Immunität seines Vorvorgängers im Amt würde «es der norwegischen Justiz ermöglichen, ihre Arbeit zu tun, und Herrn Jagland, falls er strafrechtlich verfolgt wird, sich zu verteidigen», so Berset. Parallel dazu habe er eine «umfassendere Reflexion über institutionelle Governance-Praktiken eingeleitet».
So schnell kann es gehen. Heute präsentiert sich Berset als Saubermann Europas, während er gestern noch zu Hause in der Schweiz von einem Skandal zum nächsten stolperte und die Flucht aus Bern nach Strassburg antrat.
So viel Transparenz und Integrität und juristische Aufklärung hätte man sich auch bei seinen endlosen Affären als Bundesrat gewünscht – vom Ringier-Skandal mit der Standleitung seines Departementes zum Boulevard in der Corona-Zeit über die privaten Eskapaden samt Sonderkommando gegen eine Ex-Freundin bis zu seinem Irrflug durch eine militärische Flugverbotszone in Frankreich, um nur ein paar davon zu erwähnen.