Grüezi miteinander. Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, speziell Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli. Wir befinden uns an einem Fluss. Der Name dieses Flusses ist Ziel mit Z, nicht Seal. Lieber Christoph, Was ist hier genau der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. In der Tat, hinter uns liegt die Ziel, der Ausfluss des Neuenburger Sees. Es ist heute ein Zielkanal, weil man ja zwischen den drei Seen hier im Jura-Gebiet eine Gewässerkorrektion vorgenommen hat im 19. Jahrhundert bereits, dann auch verbessert im 20. Jahrhundert, damit es hier nicht ständig zu Überschwemmungen kommt. Und bei diesem Ausfluss bei der Gemeinde Lathen, etwa 5000 Einwohner heute, im Kanton Neuenburg gelegen, ist eine sensationelle Fundstelle festzustellen und darüber möchten wir sprechen, denn Lathen ist bei den Frühhistorikern ein ganz, ganz wichtiger Begriff, und zwar nicht nur hier in der Schweiz, sondern Europa, ja sogar weltweit. Was ist das für eine Fundstelle? Man hat hier enorme Funde feststellen dürfen, immer wieder im Laufe der Jahrzehnte. Erstmals 1857 aus der jüngeren Eisenzeit. Und dieses Latten hat dieser ganzen Epoche den Namen gegeben. Wir sprechen jetzt hier bei Latten vor allem vom Dritten. Jahrhundert vor Christus. Es gibt aber auch ein Früh-Latän, es gibt ein Mittleres-Latän, es gibt ein Spätes-Latän. Also die Jahrhunderte vor Christi Geburt sind hier gemeint. Und 1857 wurde hier beim Flussziel erstmals eine grosse Entdeckung gemacht durch einen Fischer, Hans Kopp. und zwar hat er im Auftrag von einem Friedrich Schwab Heute gibt es ein Schwabmuseum in Biel, geforscht und hat hier tatsächlich Funde aus dem Altertum gemacht. Damals herrschte eine grosse Begeisterung, denn 1854 hat in Zürich ein Forscher, der ganz gezielt hier auch gesucht hat, namens Keller, Der hat... wirklich sensationelle Funde gemacht, betreffend Pfahlbauten. Und diese Pfahlbauten haben dann die Fantasie enorm beflügelt der Schweizerinnen und Schweizer. Denn das hiess ja, dass es bereits in sehr, sehr früher Zeit sogenannte Schweizer gegeben haben muss. Und dasselbe spielte sich dann hier in Latten ab. Also du sagst, das Eisenzeitalter wird Latten? Warum ist das so? Was wurden hier konkret für Eisenfunde gemacht? Das jüngere Eisenzeitalter, die jüngere Eisenzeit wird Latten genannt. In der Tat, es hat hier natürlich entsprechend vor allem Eisenfunde gegeben. Das sind Schwerter, die erstaunlich gut erhalten sind, Waffen, Speerspitzen, aber dann auch andere Dinge, Schmuck beispielsweise. Kleider, Fiebeln, dann auch Kessel und Werkzeug natürlich, Äxte oder Pfeilen und anderes mehr. Es gibt auch Bronze-Sachen, die man gefunden hat. Also hier war eine enorme Reichweite an Gegenständen, die man feststellen konnte. Übrigens auch Münzen, nicht alles ganz genau aus derselben Zeit, Aber es ist eine Fundstelle von Tausenden von... Objekten, die sich erstaunlich gut in diesen Feuchtgebieten erhalten haben. Warum konnten das die Menschen damals? Weiss man das? Ist das überliefert? Was wurden da für Forschungen gemacht? Man weiss natürlich, seit wann man ungefähr Eisen herstellen kann. Das ist ein Fortschritt gegenüber dem Bronzezeitalter. Und wir befinden uns im Zeitalter der Kelten hier, der sogenannten Helvetier. Später kommen dann die Römer dazu. und Die konnten bereits Eisen herstellen und haben dieses Verfahren genutzt. Darum kann man auch ungefähr die Zeit dieser Funde festhalten. Was weisst du über die Kelten, die damals hier zu dieser Zeit vor Christus hier lebten? Die Kelten waren allgemein verbreitet in Europa, vor allem im Westen von Europa, dann natürlich auch in Grossbritannien. Die wurden dann gewissermassen durch die Römer bedrängt und auch ein Stück weit überrannt. Wir kennen da die alten Sagen von den Helvetiern, die da unter das Joch mussten und die unten durch mussten, als die Eroberer kamen. Also diese Helvetierzeit. Die hat natürlich fasziniert und das hängt eng zusammen mit Latte. Warum heisst das so? Diese Funde wurden sehr rasch wissenschaftlich ausgewertet und verbreitet. Man hat Kongresse durchgeführt in den 1860er, 70er Jahren, unter anderem auch in Neuenburg. Auch ein Skandinavier hat sich sehr verdient gemacht um die Bezeichnung. und Latein hat sich in den kommenden Jahrzehnten durchgesetzt, weil die Wissenschaftler immer wieder dieses Zeitalter mit Latten bezeichnet haben. Und das ist bis heute geblieben ein Stichwort, ein Überbegriff über die jüngere Eisenzeit. Du hast gesagt, im 19. Jahrhundert, wo man diese Funde gemacht hat, waren die Menschen begeistert, dass es Menschen hier gab, Schweizer gab, vor Christus. Was weiss man über die Zeit, zu der diese Menschen gelebt haben? Wie sah dieses Gebiet hier aus? Wie haben die Menschen gelebt? Was weisst du persönlich? Ferdinand Keller in Zürich hat diese Pfahlbauerbegeisterung, dann eben auch die Begeisterung für die spätere Zeit, für die Helvetier, ein Stück weit begründet und das hat dann übergeschwappt. Und 1857 war man auch über diese Funde begeistert von frühen Schweizern. Wie haben die gelebt? Das ist recht schwierig. Man weiss auch nicht ganz genau, warum diese Häufung an Funden bei dieser Ziel. Das war damals nicht kanalisiert, es gab verschiedene Nebenflüsse und Hauptflüsse bei der Ziel. Aber man hat hier enorme Funde gemacht und hat dann gereizelt, was könnte da gewesen sein. War das ein Marktplatz, ein Umschlagplatz, war das eine Zollstation? War das gar eine Garnison, ein militärisch befestigter Platz? Vor allem hat man aber die Funde gemacht bei einer Brücke über einen Zielarm. Eine Brücke mit 13 Pfeilern, wie man dann feststellen konnte bei archäologischen Grabungen. Und da war wirklich eine Häufung von Gegenständen, sodass heute die Mehrheit der Forscher der Ansicht ist, es habe sich um eine kultische Stätte gehandelt. Diese Funde hätten einen religiösen Hintergrund. Man hätte hier möglicherweise in einer Art Opferhaltung diese Gaben präsentiert, dargebracht und niedergelegt. Das ist die gängige Meinung der meisten Forscher. Es gibt andere Ansichten, aber das wird intensiv diskutiert. Warum genau hier am Ausfluss des Neuenburger Sees, am Nordufer des Neuenburger Sees? bei Lathen. Das wollte ich noch fragen, das ist ja interessant, du hast ja gesagt, dieses Gebiet war hauptsächlich überschwemmt, überfluten, hatte zu kämpfen mit diesem Wasser, das über die Ufer trat, dann hat man das begradigt. Warum? War das ein Moorgebiet? Hat das die Menschen angelockt? Was weisst du? Das war sicher ein Moorgebiet und man hat versucht, das auch zu überwinden durch Brücken. Es gab nicht nur eine, es gab auch eine frühere Brücke, die man dann gefunden hat, vielleicht vom 6. oder 5. vor dem christlichen Jahrhundert. Aber die Hauptfunde betreffen doch das dritte Jahrhundert vor Christus. Und im Rahmen dieser Brücke, die man genauer untersucht hat, sind wirklich viele Funde gefunden worden. Wir befinden uns, wenn wir den Fundort genauer bestimmen, etwa 150 Meter flussabwärts vom heutigen begradigten Flussziel. Was hat... dieser Fund der Schweiz gebracht, dem Ansehen der Schweiz, an Reichtum vielleicht auch, was weisst du darüber? Direkt Reichtum hat das sicher nicht gebracht, aber doch eine enorme Aufmerksamkeit. Vor allem durch diese Kongresse, was in Neuenburg und in Biel präsentiert werden konnte. Es kamen immer mehr Funde dazu im Laufe der Jahrzehnte. Zuerst hat man natürlich einfach nur Dinge gesammelt, vielleicht auch ein Stück weit geraubt. Später hat man dann systematisch gegraben und wollte auch das Umfeld wissen, wollte wissen, warum sich was so gut erhalten hat an Material, an Waffen, an Mode, an Kleiderbestandteilen und so weiter, was das Metall betraf. Es haben sich aber auch Lederscheiden erhalten und einiges war erstaunlich schön ausgeschmückt. Auch hier also ein hochstehendes Kunsthandwerk. Und das hat man dann präsentiert. in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und auch im 20. Jahrhundert noch. Da gibt es grosse wissenschaftliche Namen, die über Latein und diese Zeit in verschiedensten Sprachen publiziert haben, sodass sich Latein als Begriff durchsetzen konnte. Weltweit nehme ich an. Man kann sagen, weltweit ist das tatsächlich geschehen. Es handelt sich hier wirklich um Tausende, um Zehntausende, Hunderttausende von Funden. aus verschiedenen Zeitaltern, die präsentiert werden in ganz verschiedenen Museen Europas und auch der Welt heute. Das hat sich verbreitet. Da hat es natürlich auch einen gewissen Kunsthandel gegeben. Kann man sagen, kann man so weit gehen und die Schweiz als eine Art Vorreiternation bezeichnen, wenn es um die Fertigung von Eisenkunststücken geht? Eine Eisen-Nation Schweiz sozusagen? Die Eisenerze waren nicht besonders zahlreich und die Eisenabbaugebiete ebenfalls nicht. Das wäre sicher übertrieben, aber es kann ein Zufall sein, dass sich hier alles so gut erhalten hat. Es kann auch sein, dass man ähnliche Funde aus einer ähnlichen Zeit irgendwo anders finden wird in Zukunft. Aber es war einfach ganz auffällig, dass in Lathen so viel vorhanden war. in dieser Umgebung und es ist auch sicher auf einen günstigen Boden gestossen, in dem eben die Menschen damals aufnahmebereit waren für diese Geschichte, für diese frühe Geschichte von Vorfahren. Vorfahren sind es wahrscheinlich nicht, denn die Helvetier, die Kelten, sind dann sicher zurückgedrängt worden. Heute sind eher die Burgunder im Westen und die Alemannen im Osten unsere Vorfahren. also nicht mehr direkt keltisch. Das merkt man auch an der Sprache. Wir haben keine keltischen Bestandteile mehr gross in unserem Sprachschatz. Das ist ja zum Beispiel bei den Warisern in Grossbritannien ganz anders. Wie profitiert die Region, der Kanton heute noch, oder vielleicht auch die Schweiz, wie profitiert man immer noch von dieser Eisenzeit, von Latten? Wie profitiert man davon? Der Kanton Neuenburg weiss, was er an diesen Schätzen hat. Der Kanton Neuenburg hat auch dafür gesorgt, dass ein Museum entstanden ist, ein sehr modernes Museum, das Latenium, hier in der Nähe. Da werden also sehr, sehr viele, also Tausende von Fundstücken präsentiert. Es hat aber noch sehr viel mehr in den Magazinen. Das Museum achtet streng darauf, dass es nicht Antiquität ist. Handel betreibt, also es gibt auch eine Museumsethik, aber dieses 2001 eröffnete Museum gibt einen wunderbaren Einblick in diese Zeit und zeigt die schönsten Stücke und auch viele aus dem Alltagsgebrauch, so dass man da einen wunderbaren Einblick bekommt in diese Zeit. Das haben wir vergessen, was gibt es über La Tène sonst noch zu erfahren? Es ist einfach erstaunlich, dass hier ein Gebiet, wo 1857... eher zufällig, ein bisschen hat man schon zielgerichtet gesucht, aber doch vielleicht eher zufällig, ein Fundort entstanden ist und dass sich durch die Forschung, durch die Publikationstätigkeit der Forscher dieser Begriff durchsetzen konnte für ein ganzes menschliches Zeitalter, nämlich eben die Jahrhunderte vor Christus, das jüngere Eisenzeitalter. Und ich würde meinen, mit Schwergewicht hier, was die Funde betrifft im dritten vorchristlichen Jahrhundert. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen zum Eisenzeitalter. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgerli. Vielen herzlichen Dank und ein wunderschönes Wochenende. Danke.
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