Karu Jetsi, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily Spezial Meilenscheine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir steht schon bereit Professor Christoph Mörgerli. Soviel kann ich verraten, wir befinden uns in Aarau, hinter uns ein wirklich ansehliches, schönes Haus. Lieber Christoph. Was ist heute das Thema der Sendung? Was ist der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. Wir befinden uns vor dem Wohnhaus, das sich Heinrich Jocke im Jahr 1818 erbaut hat. Hier wohnte er dann mit seiner grossen Familie. Er hatte 13 Kinder, 12 Söhne und eine Tochter. Und Heinrich Jocke ist eine wirklich bedeutende Figur. Für die Schweizer Geschichte ein Meilenstein als Persönlichkeit, auch wenn Heinrich Schocke heute leider weitgehend vergessen ist. Warum ist Heinrich Schocke ein Meilenstein der Schweizer Geschichte? Heinrich Schocke war eine ganz bedeutende Figur am Übergang von der alten Eidgenossenschaft zum modernen Bundesstaat. Er ist 1771 geboren, 1848 verstorben. Also genau im Jahr, als die neue Bundesverfassung verabschiedet wurde, hat er das Zeitliche gesegnet. Es ist eigentlich so, wie wenn Heinrich Jocke sein Ziel erreicht hätte und dachte, jetzt kann ich abtreten. Wie ist Heinrich Jocke aufgewachsen? Wer war? Was war das für ein Mensch? Was hat ihn vielleicht auch schon früh in seiner Jugend geprägt? Heinrich Jocke war weder Aarhauer noch Aargauer. Er war ursprünglich noch nicht. Einmal Schweizer, in Anführungszeichen noch nicht einmal. Er ist nämlich in Magdeburg geboren, heute Bundesstaat Sachsen-Anhalt. Diese ehemals sehr, sehr schöne Stadt hat leider im Krieg massiv gelitten. Sein Vater war Hutmacher, seine Eltern sind aber früh verstorben und er ist im Grunde verwaist aufgewachsen. Er hatte eine schlechte Jugend, er hatte eine harte, nicht erfreuliche Jugend. Jugend, das hat ihn sicher geprägt, er wollte es besser machen, er wollte auch die Jugend bilden, er wollte erziehen, er wollte wirklich die Situation für die Heranwachsenden dann später verbessern. Zuerst hat er sich als Dialogschreiber einer Theatergruppe angeschlossen und hat dann aber das Theologiestudium absolviert an der Universität Frankfurt an der Oder, hat dort auch promoviert, Reisen unternommen in die Schweiz und in Frankreich. Frankreich hat ihn interessiert, weil da die französische Revolution vor kurzem ausgebrochen war. Die dortigen Gedanken haben ihn auch begeistert, bis er dann in die Schweiz kam. Warum kam er in die Schweiz? Er kam in die Schweiz, weil er einen Auftrag hatte als Erzieher. Man hat ihn nämlich berufen im Jahr. 1896 an die Erziehungsanstalt, ans Erziehungsinstitut Reichenau im Bündnerland. Da konnte er aber nur gut zwei Jahre bleiben, denn bereits 1898 haben ihn die Bündner Aristokraten vertrieben. Sie wollten ihn da nicht mehr haben, denn sie haben gemerkt, das ist ein feuriger Revolutionskopf, der will Gleichheit. Brüderlichkeit und das war nicht so erwünscht von diesen aristokratischen Kreisen. Also hat man ihn dann gewissermassen zum Teufel gejagt in jenem Jahr 98, als dann auch die Franzosen in die Schweiz einmarschiert sind. Frage, aber das war, das ist ideologisch, wurde, war er schon geprägt von den Franzosen, von der Revolution. Das sind quasi die Gedanken, die er mit einbringen wollte. Das kann man sagen. Die neuen Menschenrechtsforderungen beispielsweise, alle sind gleich geboren. Und begeistert hat ihn dann aber auch vor allem der Begriff der Volksbildung, also dass man die Menschen durch Bildung auch ans Staatswesen heranführen kann. Und die Demokratie war ihm ein wichtiges Anliegen. So gesehen waren es wirklich neue Gedanken und er hat das Beste daraus genommen und wollte das auch umsetzen. Das hat er dann auch in... wirklich überwältigendem Maße für die Schweiz getan. Wo? Er kam dann an verschiedene Orte, wo man in Rief verwohnte, auch bereits im Kanton Aargau, war befreundet mit dem ebenfalls liberalen Katholiken Ignaz Paul Vital Troxler, der auch wichtig werden sollte als Vordenker des Zweikammersystems in der Schweiz, also von Ständerat und Nationalrat nach amerikanischen Muster und Gioque wurde nach einiger Zeit, er war dann auch in Basel noch Vermittler in jener schwierigen Umbruchszeit der Helvetik, als sich die Eidgenossenschaft gewissermassen neu erfinden musste. Er kam in den Aargau und hat geholfen, diesem jungen Kanton, der erst 1803 gegründet wurde und ursprünglich aus Untertanen landen. aus den freien Ämtern bestanden, bernische Landvolkteien und anderem auch eben die Gebiete dann ausserhalb, die vorher gar nicht schweizerisch waren. Er hat geholfen, diesem jungen Kanton Aargau ein eigenes Gepräge, ein eigenes Gesicht und auch ein Selbstbewusstsein zu vermitteln. Wie hat er das gemacht? Heinrich Zschocke war ungemein schreibfreudig und schreibkundig. Das heisst, er hat Zeitschriften gegründet und hat so seine Gedanken und die anderer und das Volk gebracht. Er wollte die breite Bevölkerung mit dem Gedanken der Helvetik, der eher ein Gedanke der Eliten war, versöhnen. Er wollte hier vermittelt wirken und beispielsweise der wohl erfahrene Schweizer Bote, also kurz Schweizer Bote, den er herausgegeben hat, war ungemein viel gelesen. Es gab ihn bis 1878, also weit über seinen Tod hinaus. Dieser Schweizer Bote war ein Begriff und hat die liberale Schweiz, das eben freisinnige Lager, könnte man heute sagen, wobei zum Freisinn natürlich noch viel mehr gehörte. Da haben sich dann später andere abgespalten. Das hat er geprägt vom... Aargau aus. Was war Heinrich Schocke? War er Historiker? War er Publizist? War er Verleger? Was war Heinrich Schocke im Kern? Er war gelernter Theologe, hat aber fast alles andere dann später gemacht. Er war Volkserzieher, Pädagoge, er war Publizist, er war Schriftsteller, er war Politiker, politischer Vordenker, aber auch ganz praktisch steht. Der Aargau hat ihn berufen als Verantwortlicher über die Wälder und die Bergwerke. Das erinnert ein bisschen an Goethe, der ja in Weimar ähnliche Funktionen neben seiner Schriftstellereien wahrgenommen hat. Also der junge Aargau war ihm wichtig. Er hat ihm ein Gesicht gegeben und er ist auch nicht zuletzt deshalb hierher gezogen, um seinem Verleger nahe zu sein. Das war Heinrich. Remigius Sauerländer. Wer war das? Sauerländer war ein wichtiger Publizist in dieser frühen liberalen Phase der Schweiz im beginnenden 19. Jahrhundert und den Verlag Sauerländer gab es ja dann wirklich sehr lange. Aber kann man sagen, er war eigentlich vor allem auch Brückenbauer zwischen den Gelehrten, den vielleicht Aristokraten und dem Volk, also Vermittler, was beide Seiten eigentlich wollten? Er hat es versucht, natürlich nicht vermittler zu den konservativ gebliebenen Aristokraten, mit denen konnte er nichts anfangen, aber zu den, sagen wir mal, fortschrittlichen Eliten zur breiten Bevölkerung. So hat er auch Romane verfasst, die sehr viel gelesen wurden, beispielsweise gegen die Brandweinpest, also den Alkoholismus, oder er hat im Jahr 1817 den Roman «Das Goldmacherdorf» herausgebracht, in der Tradition von Lienhard und Gertrud des Heinrich Pestalozzi. Ein eigentlicher Erziehungsroman eines ganzen Dorfes, der zeigen wollte, dass man eben durch Arbeit, durch Disziplin, Nüchternheit auch es zu Wohlstand und Glück und Wohlfahrt bringen kann. Das war eigentlich der Inhalt dieses sehr erfolgreichen Werks. Aber er wurde wirklich verschlungen und Heinrich Zschocke, das wissen wir heute überhaupt nicht mehr, war zu seiner Zeit der Meiske. gelesene Schriftsteller in der Schweiz und im ganzsprachigen deutschen Raum wirklich einer der wichtigsten Autoren. Was hat ihn hinsichtlich des Aargau gepackt? Was hat ihn hier fasziniert, derart bewegt, dass er sich so verliebt hat mit dieser Umgebung? Ihm hat in Aarau und in Aargau überhaupt, im ganzen Kanton gefallen, dass sich hier etwas gestaltet. dass das eben ein junger Kanton war, den man von Anfang an noch prägen konnte. Und da war er eine wirklich ganz, ganz wichtige Figur. Er hat zuerst am Rhein gewohnt, in der Altstadt. Da erinnert er seit 2005 auch eine Tafel an sein Wirken. Die wachsende Familie hatte dann aber bald keinen Platz mehr. Aber in diesem Aargauer Altstadthaus haben sich dann auch Gesellschaften. Denn Jocke war ungemein fruchtbar wirkend, auch in Bezug auf Vereinigungen. Zum Beispiel eine historische Vereinigung, kulturelle Vereinigungen hat er gegründet, die Naturforschenden, auch einen bürgerlichen Lehrverein für die Lehrfortbildung. Also er hat in verschiedenster Hinsicht angeregt und gewirkt. Nicht zuletzt dank Heinrich Tschocke nennt man heute den Aargau den Kulturkanton, weil eben Kultur ganz gross geschrieben wurde. War er ein geselliges Gemüt auch? Er war sicher auch gesellig, er hat die Gesellschaft gemocht, allerdings wie damals üblich handelt es sich um Männergesellschaft, also er hat seine Familie sicher sehr oft verlassen, um in männlicher Gesellschaft dann eben... zu politisieren oder sich den guten Werken zu widmen. Dazu gehörten dann später auch Ersparniskassen, Hagelversicherungsanstalten, Taubstummeninstitute, die er angeregt hat. Also philanthropisch, humanistisch in verschiedenster Hinsicht tätig. Was nicht heisst, dass er nicht seine Kinder gezüchtigt hat, wie das damals war. Er hat sich verheiratet mit der Pfarrersdochter Elisabeth Nüsperli. Tschüss. hier aus der Gegend und sie hat sicher auch eine enorme Last getragen und ihrem Mann den Rücken freigehalten für seine vielfache öffentliche Tätigkeit. Was war das Lebenswerk von Tschocke für die Schweiz? Was ist die Bedeutung für die Eidgenossenschaft? Du hast es ja eingangs 1848 angetönt, in seinem Todesjahr. Staatgründung, Bundesstaatsgründung, was ist da der Zusammenhang? Tschokke hat sich ungemein eingesetzt für das freiheitliche, das liberale Gedankengut und der Aargau hat hier auch entsprechend gewirkt. Der Aargau war vorher grossen Teils noch Untertanengebiet, vor allem von Bern und hat sich dann natürlich auch befreit gefühlt und befreit aufgespielt. Und da kam ein Mann wie Tschokke wie gerufen. Er begegnete offensichtlich auch kaum Vorurteilen. Erhaben. nicht den Aargauer Mundart Dialekt gesprochen, jedenfalls am Anfang nicht, und hat sich doch sehr, sehr rasch in diese Gesellschaft integriert. Er ist 1815 auch in den Großen Rat gewählt worden, ins Kantonsparlament, und ist da viele, viele Jahre geblieben, bis 1843. Also er hat auch die Politik ganz maßgebend geprägt. Das hat ihn neben seinem beruflichen Wirken Und... begeistert, ausser vielleicht der Natur? Was waren seine Freizeitbeschäftigungen? Ich denke, er hat schon hauptsächlich geschrieben. In jeder freien Minute hat er sich hingesetzt und seien es Aufsätze in seinen Zeitschriften, seien es Romane, seien es aber auch historische Werke. Er hat eine ganz bekannte, jedenfalls damals bekannte Schweizer Geschichte geschrieben. Und Schocke hat das Geschichtsbild des 19. Jahrhunderts unglaublich beeinflusst. Also was die Historienmalerei betrifft, was Festspiele, Festlichkeiten, Jubiläen betrifft, auch die Popularisierung der Schweizer Geschichte in den Schulen, das alles hängt eng mit Heinrich Schocke zusammen, der auch ökonomisch Erfolg hatte. Seine Publikationen haben ihm einiges eingetragen. Und nicht zuletzt deshalb konnte er sich die Villa, die wir hinter uns sehen, leisten. Er hat sie nach eigenen Vorstellungen erbauen lassen und hat diese Villa Blumenhalde im Jahr 1818 mit seiner grossen Familie bezogen. Was wurde danach mit dieser Villa? Heute ist es ja das Zentrum für Demokratie, glaube ich sogar. Was war danach? So ist es. Die Familie Zschocke hat es einige Zeit noch behalten. Es ist zu erwähnen, dass sämtliche Schweizer mit dem Namen Zschocke und dass sie nicht sehr wenige von Heinrich Zschocke abstammen. Also da gibt es direkte Linien. Das ist ja kein Wunder. zwölf männlichen Nachkommen, dass es da viele Jockes noch immer gibt. Und dieses Haus, du hast es erwähnt, ist zum Zentrum für Demokratie geworden, zu einem wissenschaftlichen Zentrum der Demokratieerforschung in verschiedener Hinsicht, in juristischer natürlich, aber nicht nur. Und das ist eine fruchtbare Angelegenheit, teilweise vom Aargau getragen. aber auch von der Universität Zürich meines Wissens mitfinanziert. Und hier wird über Demokratie geforscht und wir hoffen sehr, auch im Sinne der wirklichen direkten Demokratie. Was wurde, oder warum ist Heinrich Zschocke gestorben? Ist das zufällig, dass er gerade im Jahre der Gründung des Schweizer Bundesstaates passiert ist? Was weisst du über sein Ableben, über seinen Lebensabend? Das ist natürlich... durchaus Zufall. Also er war ja immerhin doch nicht mehr ein ganz junger Mann, als er verstorben ist. Er hatte ein langes, ein sehr erfülltes, ein engagiertes Leben und er ist auch noch lange im Gedächtnis der Bevölkerung geblieben, könnte man sagen. Im 19. Jahrhundert hat man Heinrich Jocke noch gut gekannt und auch noch gelesen. Das hat sich dann im 20. Jahrhundert Et etwas verloren. Offenbar gehört er doch nicht zu jenen Schriftstellern, die eben über Jahrhunderte dann fortleben können, wie das etwa teilweise Pestalozzi ist. Auch er wird nicht mehr wahnsinnig gelesen, aber Gottfried Keller, Jeremias Gotthelf, Konrad Ferdinand Mayer, das sind natürlich dann andere Namen. Was bleibt von Heinrich Tschocke? Warum ist dieser Mann... Ein Meilenschein der Schweizer Geschichte, was müssen wir im Kern von ihm wissen? Wir müssen von Heinrich Jocke wissen, dass er in dieser Übergangszeit, in dieser auch schwierigen Übergangszeit zwischen dem Einfall der Franzosen 1798 und der Gründung des Bundesstaats 1848 eine ganz tragende und wesentliche Rolle gespielt hat. Es gab auch Rückschläge für die Liberalen, gerade auch im Kanton Aargau. Da gab es entsetzliche Klosterstreitigkeiten und dann gab es den Sonderbundskrieg. Und Heinrich Jocke hat sich enorm eingesetzt für die Bildung. Er hat ein Bildungsgesetz hier vorangetrieben im Aargau in den 1830er Jahren und hat sich, wie ich erwähnt habe, für die Lehrerbildung auch eingesetzt, also als Pädagoge. Wie als Schriftsteller ist er wichtig, wichtig geblieben und es würde sich lohnen, vielleicht mal wieder einen Roman von ihm hervorzukramen. Zum Beispiel das Goldmacherdorf ist wieder neu aufgelegt worden und es ist durchaus interessant, auch psychologisch interessant, wie diese Dorffiguren funktionieren und wie sie miteinander in Wettstreit, in Zwietracht, in Harmonie. in Liebesgefühlen, es ist immer auch eine Liebesgeschichte dabei, mindestens eine, damit das auch gelesen wurde, wie das alles funktioniert und aufeinander abgestimmt ist. Da war Jocke schon ein Meister, er war sicher ein Stück weit ein Vielschreiber, ist aber damals auch gelesen worden und wenn man 13 Kinder zu ernähren hat, dann muss man auch fleissig sein. Welche Facette von Heinrich Jocke haben wir noch nicht? ausgeleuchtet oder haben wir seine Schaffenskraft einigermassen umrissen? Vielleicht zu erwähnen noch, er war ein frohmütiger Mensch, er war ein optimistischer Mensch, er hatte einen, man könnte vielleicht fast sagen, naiven Gottesglauben, er war ursprünglich lutherisch, war dann hier reformiert, wie halt die Schweizer Bevölkerung, die sich der Reformation angeschlossen hat, ist. und hat immer bei allem, was er schreibt, ein Urvertrauen in den Menschen, aber natürlich vor allem auch ein Urvertrauen in die göttliche Ordnung mit all ihren Unebenheiten, mit all ihren schrulligen Typen, die da eben auch vorhanden sind. Letztlich aber doch glaubte Heinrich Schocke ans Gute und dass das Gute gewinnen wird. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese interessanten, wirklich hoch faszinierenden Eindrücke über Heinrich Jocke. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende, einen schönen Samstag und bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily Spezial und vor allem auch den Meilensteinen der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank.
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