Musik Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie zu einer weiteren Folge von Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgeli. heute an einem sonnigen Vormittag am... Zürichsee werden wir besprechen, ein unternehmerisches Weltwunder aus Talwil. Unglaublich, ich habe in der Vorbesprechung bereits einiges erfahren von dem, was Ihnen Professor Mörgeli gleich erläutern wird. Und das sind schon Meilensteine, Meilensteine des schweizerischen Unternehmertums mit unfassbaren weltweiten... Auswirkungen, ich muss das hier schon vorwegnehmen, ich darf das Thema schon besetzen. Wir sprechen, wir werden behandeln das Leben und Werk der Familie Schwarzenbach. Und was wir im Hintergrund sehen, das sind die Überbleibsel, könnte man sagen, die Spurenelemente, die letzten Eckpfeiler eines globalen... Imperiums, aber mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, sondern jetzt gleich Christoph übergeben. Ja, Christoph, die Schwarzenbachs hier führen uns ins Thema ein. Grüezi miteinander. Wir befinden uns im Ortsteil Ludletikon von Talwil. Heute etwa 20'000 Einwohner. Und hinter uns sind die beiden Gebäude, die Fergstuben ursprünglich der grossen Seidendynastie. Schwarzenbach, so aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammend. Die Schwarzenbachs kommen aber aus Gattikon, waren Müller, sind dann seit dem 17. Jahrhundert hier am See ansässig, als Handwerker, als Bauern, bis dann eben Johannes Schwarzenbach 1832 seine Seidenfabrikation begründet. Zuerst mit seinem Vater zusammen und mit einem Schwager als Firma Schwarzenbach. beziehungsweise Nähf und Schwarzenbach, bis man sich dann 1854 getrennt hat. Du hast gesagt, das sind Ferkgebäude, Ferkerei, ein Begriff, der heute vielleicht nicht mehr geläufig ist. Kannst du das erläutern? Was ist Ferken, Ferkerei? Wie muss man das verstehen? Das hat zu tun mit der weit verbreiteten, gerade in der Ostschweiz weit verbreiteten Textilindustrie, die man sich aber in den Anfängen nicht in grossen Fabriken vorstellen darf. sondern das war Heimarbeit. Also die Menschen haben zu Hause gesponnen und gewoben und haben dann die Produkte abgeliefert beim sogenannten Zwischenhändler, beim Verker. Der hat ihnen auch die Materialien zur Verfügung gestellt und die Familie Schwarzenbach dann später auch die sehr teuren Webstühle, die vor allem aus Lyon stammten. Wie ist das genau passiert, dass eine Firma oder eine Familie aus dem ländlichen Garten Articon sich da plötzlich ins Unternehmerische hineinwagt, dass sie versucht, so eine neue Betätigung aufzubauen. Kannst du das etwas erläutern, dieser erste Ausfallschritt in das, was dann später zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte werden sollte? Zürich ist ja schon in den vorherigen Jahrhunderten eine berühmte Seidenstadt, aber das Seidenmonopol hat... Die gnädigen Herren hatte also die Stadt Zürich, es war ein Stadtstaat. Und die Schwarzenbachs als ländliche Untertanen hatten auf diesem Gebiet eigentlich nichts zu melden, bis dann in den 1830er Jahren der liberale Umschwung, die Regeneration einsetzt. Und da ergab sich eben bereits sehr früh, 1832, Ostertag ist 1830, für die Schwarzenbachs die Möglichkeit, sich hier im Seidengewerbe zu betätigen. Warum ist man in dieses Seidenwerbe gegangen, ausgerechnet in der Schweiz? Warum diese Branche? Was war damals das Naheliegende vielleicht? Oder was zeichnete die Schweiz aus, dass sie in dieser Industrie derartige Akzente setzen konnte und schon Akzente gesetzt hat? Man hatte sehr geschickte Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter, denn die Seidenindustrie ist wirklich etwas, das grosses handwerkliches Geschick erfordert. und sehr viel Sorgfalt und man hatte relativ günstige Arbeitskräfte damals, die angewiesen waren auf diesen Zusatzverdienst oder Hauptverdienst, je nachdem. Und es ließ sich natürlich im Seitengewerbe doch sehr viel Geld verdienen. Allerdings ist das Gewerbe auch außerordentlich konjunkturanfällig. Also sobald dann die Konjunktur zurückging, betraf das dann die Fabrikation ganz enorm. Dazu kommen gute Handelswege, vor allem durch die Handelshäuser wie Volkart beispielsweise, oder Signer und so weiter, die dann eben die Rohseide, diese... Goggons, die man entsprechend bearbeiten muss in der Seidenfabrikation, hierher importierten. Und so ließ sich dann eben dieses Seidegewebe, diese Seidenfäden auch entsprechend zu Textilien verarbeiten. Wie ist man ans Material gekommen, damals im 18. und 19. Jahrhundert, jetzt hier in der Schweiz, in diesen Anfängen? Wir kommen ja dann auf die Familie Schwarzenbach noch zu sprechen, aber etwas allgemein, ja. Hat man das selber angebaut? Musste man das kaufen? Wurde das weiterverarbeitet in dieser Heimarbeit? Man hat das schon importiert. Hauptgebiete der Seidenraupenzucht sind natürlich Japan, China, Indien. Man hat es auch in Italien gemacht, man hat es in Frankreich zum Teil gemacht, in der Schweiz auch versucht. ging aber da nicht so gut. Der Maubeerbaum ist die Pflanze, welche die Seidenraupe. frisst und man muss dann das eben recht aufwendig dann zum Faden verarbeiten, indem man eben säubert, die Farbe verbessert und ins Weisse bringt und indem man eben auch den Raupenleim wegkriegt. Jetzt also zu den Schwarzenbachs. Eine Familie aus Gattikon, die den Schritt wagt ins Seitengeschäft. Ja, wie ist es dazu gekommen und vor allem, wie ist es dann zu dieser gewaltigen? Erfolgsgeschichte geraten? Der Sohn von Johannes Schwarzenbach, der konnte sich bereits ausgezeichnet ausbilden. Es handelte sich um Robert Schwarzenbach, verheiratet Zäuner. Und Robert Schwarzenbach-Zäuner konnte sich weiterbilden in Amsterdam, in London, in New York, musste allerdings dann 1861 zurückkehren. Sein Vater ist damals gestorben. Und mit seinem Bruder Anton zusammen hat er diese Seidenfirma Schwarzenbach wirklich in die Höhe gebracht. Dieser Robert ist eigentlich der Pionier, der Vater des ganz grossen Welterfolgs. Er ist 1904 dann verstorben, aber er hat eben Tausenden von Familien Arbeit gegeben, die konnten zu Hause für ihn arbeiten. Das waren sogenannte Zürich-Deutsch-Siedisweiber, also Seidenweber. die zu Hause arbeiteten. Er hat dann aber auch den Schritt gewagt zur mechanischen Fabrikation und zum Bau von Fabriken, die dann entstanden sind. Was war das Genie von Robert Schwarzenbach? Was war die geniale Idee? Warum konnte er sich einen derartigen Vorteil verschaffen? Heute würde man sagen, was war der USP von Robert Schwarzenbach, so wie er dieses Gewerbe betrieb? Er hatte eine vergleichsweise hohe... Gewinnmarsche und konnte damit immer wieder investieren und hat das sehr geschickt gemacht, auch in Zeiten der Krise, die es eben auch gab. Beispielsweise 1873 ist die Konjunktur wirklich ernsthaft zusammengebrochen in ganz Europa. Und was hat er gemacht? Weil dann plötzlich alle Staaten Zölle erheben. Wir kennen das auch heute, dass man sich da abschottet. Er war immer ein markanter Befürworter des Freihandels. Aber weil diese Zölle kam, hat er eben auch Fabrikanlagen in anderen Ländern erstellt. Beispielsweise in Frankreich, in Italien, in Deutschland, aber auch in England und vor allem dann in den USA. Es waren da zuletzt 17 Textilfabriken der Firma Schwarzenbach. Er hatte sogar in den USA Erfolg und ich glaube, er hat, oder waren das dann schon seine Kinder, ein Gebäude an der Fifth Avenue sogar noch gekauft oder bauen lassen. Kannst du das noch erklären? Das waren dann seine Kinder. Er hatte drei Söhne, die ihm nachgefolgt sind. Da ist zuerst Sohn Robert, der hat sich verheiratet mit einer Fröhlicher aus Solothurn. Dann kommt Sohn Alfred, der hat eine Tochter des Generals Ulrich Wille geheiratet und hauste dann auf Gut Bocken, oberhalb von Horgen. Und schliesslich kommt Edwin. Schwarzenbach verheiratet von Muralt dazu. Diese drei Brüder haben die Firma dann wirklich ganz, ganz gross gemacht. Auch wieder mit unterschiedlichen Konjunktur. Zyklen, es kam der Erste Weltkrieg als Einbruch, aber nachher ging es so richtig los in den goldenen 20er Jahren und die Firma Schwarzenbach war 1928, kurz vor der Weltwirtschaftskrise, die weltweit grösste Textilfabrik. Mit 28.000 Mitarbeitern und mit einem Umsatz von 264 Millionen Franken, das waren damals unglaubliche Summen. Das wären Milliardenbeträge. Heute war das die weltweit grösste Firma im Textilbereich. Und in der Schweiz war das die Nummer 1 Firma der Schweiz. Das war die Nummer 1 Firma der Schweiz. Die Schwarzenbachs galten in ihrer Zeit auch als reichste Schweizer Familie. Es gab natürlich auch in Winterthur Grossunternehmer wie Sulzer usw., die ebenfalls sehr wohlhabend waren. Aber ich meine, die Schwarzenbachs waren doch führend. Welche Rolle haben die Schwarzenbachs dann aufgrund ihrer unternehmerischen Stellung in der Schweizer Politik gespielt, in der Schweizer Gesellschaft? Du hast es angedeutet, natürlich ganz extreme Zeiten gewesen. Erster Weltkrieg, dann Wirtschaftskrise, 30er Jahre, Zweiter Weltkrieg. Das waren ja Höllenjahre, könnte man sagen, die sich da ereignet haben. Welche Rolle spielte die Familie Schwarzenbach in der Schweiz? Der Gründer Johannes war bereits Grossrat, also war Mitglied des Kantonsparlaments, war Gemeindepräsident hier in Tallwil. Auch Sohn Robert war Gemeindepräsident in Tallwil, hat auf eigene Kosten mal schnell das Gemeindehaus gebaut, als Überraschung und seiner Gemeinde geschenkt. Das sind natürlich schöne Geschenke. Und man hat sich politisch wirklich engagiert. Man war liberal, also freisinnig in der Familie Schwarzenbach. Und in den 20er Jahren kam es dann allerdings zu etwas problematischen politischen Kontakten. Ja, da gab es ja auch Artikel darüber. Ich kann mich erinnern, als ich noch junger Journalist war, Kulturredaktor, auch junger Chefredaktor. Es sind dann Artikel erschienen über Kontakte der Familie Schwarzenbach zu den Nationalsozialisten. In einer Zeit, man muss das immer wieder erwähnen, das wird vergessen, in einer Zeit, als natürlich ähm Eine Art Weltbürgerkrieg sich abzeichnete. Wir hatten im Osten den Kommunismus, den Bolschewismus, der die Hochadligen auslöschte, erschoss die Zarenfamilie. Enteignung der Industriellen, entsprechende Panik. Natürlich auch in Europa, da die Kommunisten ebenfalls vor den Toren standen. Industriekrise usw. Wie ist es damit zu diesen Kontakten gekommen? Warum hat die... Familie Schwarzenbach oder Teile davon, hier den Kontakt zu Deutschland, zu Hitler-Deutschland, noch vor den Wahlen eigentlich 1933, vor der Machtergreifung geknüpft. Das Grossbürgertum hatte auch in der Schweiz unglaubliche Angst vor dem Bolschewismus, vor einem Umsturz, namentlich dann beim Generalstreik. Und man gehörte zum Grossbürgertum, man hat auch entsprechend geheiratet in die Familie, Rieter in die Familie. Volkart und so weiter. Also da war man auch unter sich dann verschwägert und versippt. Übrigens Robert Schwarzenbach hat ein wunderbares Gebäude am Paradeplatz gekauft, das dann Stein für Stein an die Bellriefstrasse transportiert wurde später. Und wo jetzt die Family Office von Ernst Hanner drin ist. Also man ist dann in die Stadt gegangen, hat sich auch in diesem Stadtbürgertum durchaus assimiliert. Städter haben sich da offen gezeigt, sofern man Geld hatte und protestantisch war. Das waren wahrscheinlich die Voraussetzungen. Aber dann in den 20er Jahren hat Adolf Hitler hier in Zürich Geld gesammelt. Und ihm wurde auch vermittelt, er solle doch vor reichen Leuten, vor Industriellen sprechen, über die kommunistische Gefahr. Das hat er getan. Das hat er in der Villa Rieter getan. Das hat er aber auch in Mariafeld bei der Familie Wille in Meile getan. und ebenfalls auf dem Bocken oberhalb von Horgen. Und man weiss auch, dass Alfred Schwarzenbach Hitler 3000 Franken gespendet hat. Muss allerdings auch betonen, Hitler hat hier in Zürich keine antisemitischen Ausfälle gemacht. Da hat man ihm gesagt, das kommt hier nicht gut an, da soll er sich zurückhalten. Er soll sich auf den Bolschewismus beschränken. War dieser Alfred Schwarzenbach ein Nazi, ein Überzeugter oder war das immer noch ein Liberaler, ein Freisinniger? Er war kein Nazi, also das wäre sicher falsch, aber er hatte eine gewisse Angst und man hat natürlich diesen Hitler falsch eingeschätzt und hat nicht gewusst, was da alles kommen wird. Eine Ausnahme gibt es, der Kreisegeneral Ulrich W. Viele hat Hitler abgelehnt nach diesem Auftritt. Er hat gesagt, warum muss der Mann so schreien und was hat er da für Ideen? Also er war alles andere als begeistert. Wie hat die Firma, wie hat die Familie Schwarzenbach die Weltwirtschaftskrise von 1929 überstanden, die ja dann in Deutschland zu einem richtigen Gezeitenwechsel in der Politik eben nach rechts geführt hat. Das brachte dann sozusagen ja diesen Nationalsozialismus schliesslich an die Macht. Wie ist das da den Schwarzenbachs ergangen, in dieser riesigen Wirtschaftskrise, die ja dann in den 30er Jahren auch wütete in der Schweiz? Das war wirklich ein Einschnitt und da hat man die Produktion absolut herunterfahren müssen. Da gab es auch viele Entlassungen. Das war eine schlimme Zeit für die Firma, kann man sagen. Vielleicht könnte man den damaligen Verantwortlichen vorwerfen, dass sie nicht rasch genug auf die Kunst seite. sondern an der echten Seide, am Luxusprodukt, das sich damals niemand mehr leisten konnte, festgehalten haben. Es gab dann eine gewisse Möglichkeit, wieder im Zweiten Weltkrieg, vor allem mit der Fallschirmseide, die da benötigt wurde. Nach der Kriegszeit ging es weiter im Nachkrieg. Allerdings ist in der Schweiz 1981 die Seidenproduktion aufgegeben worden. Das hat sich nicht mehr gelohnt. Der Name Schwarzenbach spielt auch in der Geschichte der Weltwoche eine bedeutende Rolle. Anna-Marie Schwarzenbach aus dieser Familie war eine Journalistin, eine sogar Redaktorin der Weltwoche, mit vielen internationalen Reisen. Ich habe selber einmal, als ich die alten Bände angeschaut habe, einen Artikel von ihr gelesen, unter dem Titel «Die Frau, die das Herz des Herzlosen erobert hat, wer war?» Wer ist Stalins Freundin? Sie war da in Russland zu Gange. Und vielleicht interessant jetzt auch, was diesen Zugang angeht. Ich meine, wir sprechen von den 30er Jahren, als dieser Artikel erschienen ist. Die Weltpolitik spielte eine grosse Rolle, selbstverständlich, aber typisch Weltwoche. Da kommt also diese brillante Autorin und mit einer ganz eigenwilligen Fragestellung, die vielleicht damals in einer NZZ oder in anderen... Tageszeitungen nicht aufgerollt worden wäre. Eben, wer ist jetzt die Frau, die das Herz des Herzlosen erobern konnte? So, wenn man das als Boulevardjournalismus etwas für die gebildeten Stände, für die Intellektuellen auf höchstem Niveau gemacht. Anna-Marie Schwarzenbach, ja, wie ist sie in diesem Clan einzusortieren und weisst du, wie sie zur Weltwoche gekommen ist und was dieses Kapitel in der Familienchronik Schwarzenbach für eine Bedeutung erlangte? Annemarie Schwarzenbach war die Tochter von Alfred Schwarzenbach und die Mutter war René Wille. Wie gesagt, die Tochter des Generals. Sie ist auf gut Bocken, sehr, sehr in privilegierten Verhältnissen aufgewachsen. Man hatte auch Gestüte, die Pferde spielten eine grosse Rolle. Die Mutter ist sehr germanophil, sie ist auch hitlerfreundlich, sehr, sehr lange eigentlich noch im Zweiten Weltkrieg. Anna-Marie hat sich hier scharf distanziert. Sie wird zur glühenden Antifaschistin. Sie hat den Nationalsozialismus bekämpft. Sie hat sehr jung promoviert, war ausserordentlich begabt als Historikerin, übrigens über die Seide natürlich promoviert. Und sie hat dann Artikel geschrieben, sie hat Bücher, Romane geschrieben. Es gab damals noch nicht die heutigen Möglichkeiten und sie hat ja auch wahnsinns Reisen unternommen mit einer Freundin zusammen. beispielsweise bis in den Iran hinein, aber auch in die USA, nach Russland usw. Und da hat sie in der Weltwoche ein gutes Publikationsorgan gefunden. Und sie war ja befreundet auch mit den Kindern von Thomas Mann, mit Klaus, mit Erika Mann. Was kann man da noch sagen? Sie war sehr befreundet, sie war auch sehr verliebt in Erika Mann, sie war lesbisch veranlagt und hat aber dann immer mehr eigentlich zum Rauschgift auch. gegriffen. Es war eine problematische Persönlichkeit. Ihre Romane haben nicht so richtig durchgeschlagen. Es gibt einen Einzelnen, den ich als wirklich sehr, sehr gut empfinde. Andere wiederum sind doch eher durchschnittlich. Aber sie hatte schon viele Fähigkeiten, hat das leider doch etwas zerstört. Durch einen selbstzerstörerischen Lebenswandel kam nie ganz von dieser herrischen Mutter los. Der Vater, der bis 1940 gelebt hat, wusste nicht mehr so recht weiter. Auch ihr Bruder Hans-Robert, später dann ein ganz bedeutender Reitsportler, hat nicht mehr ein und aus gewusst. Also das war dann eine gewisse Verzweiflung. Und sie ist dann den Folgen eines Velounfalls, einige Wochen danach, im Engadin dann verstorben. In welchem Alter? Sie war, glaube ich, 34, als sie gestorben ist, also sehr jung. Ein weiterer Name aus der Familie Schwarzenbach ist James Schwarzenbach. Dann sind wir schon in den 60er und 70er Jahren. Wie war da das Verwandtschaftsverhältnis James Schwarzenbach? Vielleicht kannst du zu ihm noch ein paar Worte sagen. James Schwarzenbach ist ein Cousin von Anna-Marie Schwarzenbach. Er ist ein Sohn. von Edwin Schwarzenbach von Muralt. Er hat sich bereits in den frühen 30er Jahren frontistisch betätigt. Er war also bei der radikalen Rechten. Er hat auch beispielsweise Kabarett-Aufführungen gestört und gesprengt gewissermassen. Und da kam es natürlich zu Spannungen mit Anna-Marie Schwarzenbach und der Familie Mann. Später ist er dann bekannt geworden in den 60er Jahren, vor allem natürlich als Vater von Überfremdungsinitiativen, als Warner vor der sogenannten Überfremdung in der Schweiz und hätte 1970 eine entsprechende Überfremdungsabstimmung beinahe gewonnen. Im Alleingang gewissermassen. Er war ja ein ausserordentlich einsamer Politiker. Ein Grandseigneur auch, ich kann mich erinnern, Felix E. Müller, dann später Chefredakteur der... NZZ am Sonntag hat in der Weltwoche mal ein grosses Portrait über James Schwarzenbach geschrieben. Durchaus auch anerkennend. Natürlich hat man diese Überfremdungsinitiative sehr kritisch gesehen, auch seine früheren Betätigungen in der Fröndlerbewegung. Aber doch auch ein Monsieur hat so etwas Aristokratisches an sich, wie ein britischer, ziemlich weit rechts und konservativ stehender Tory, der da möglicherweise auf einem Landsitz irgendwo in Yorkshire ein privilegiertes Dasein fristet. Ja, er war ausserordentlich konservativ, wertkonservativ, er ist sogar schon in jungen Jahren katholisch geworden zum Entsetzen der Familie und er ist dann 1967 in den Nationalrat gewählt worden, wo er bis 1979 blieb. Ein, wie gesagt, der einzelgängerischer Politiker, die anderen haben ihn verachtet. Aber bei seinen Auftritten, eben gerade auch bei diesen Abstimmungskämpfen, hat er insofern überzeugt, jedenfalls viele Schweizerinnen und Schweizer überzeugt, das heisst die Schweizerinnen konnten erst später abstimmen, aber doch, die Sympathien waren auch da, zu grossen Teilen auf seiner Seite, indem er eben immer die Form war, immer höflich und anständig blieb und mit seiner Pfeife und seinem Grandseignoralen auftritt. in allen Sprachen übrigens, doch seine Leute in den Bann gezogen hat. 1981 hast du gesagt, ist es dann fertig mit der Seitenproduktion. Man muss sich vorstellen, hier hinten standen gewaltige Fabriken, die stehen heute nicht mehr. Das sind Wohnhäuser, das ist Immobilienbesitz, vermutlich immer noch bei der Familie Schwarzenbach. Warum ist es dann eigentlich abwärts gegangen und wann ist es abwärts gegangen? mit dem unternehmerischen Glück und der... Textil in Herrlichkeit der Schwarzenbachs. Es wurde einfach zu teuer in der Schweiz, in der Textilindustrie zu fabrizieren und auch zu investieren in diese Industrie. Insofern hat James Schwarzenbach schon etwas richtig gesehen. Er hat immer gesagt, ihr müsst die Maschinen zu den Menschen bringen. Ihr dürft nicht die Menschen zu den Maschinen bringen. Und das hat natürlich die Schweiz lange getan, indem sie eben Arbeitskräfte im... importierte, die nicht teuer waren. Aber auch das war dann irgendwann nicht mehr möglich. Es kam die Krise von 1974, der Erdöl-Schock. Und man hat dann beschlossen, diese Firma, die nach wie vor eben Robert Schwarzenbach & Company hieß, dass man die Seidenfabrikation aufgibt, die Textilfabrikation generell, und sich nur noch am Rande damit beschäftigt. Man hatte natürlich auch zum Teil im Ausland entsprechende... Investments, aber im Wesentlichen wurde es zu einer Immobilienfirma. Die Fabriken hier wurden abgebrochen und im Marbach, da wo wir uns jetzt befinden, sind eigentlich dann mehr Familienhäuser entstanden. Die Schwarzenbachs heute. Gibt es noch prominente Exponenten der Familie, die eine öffentliche Rolle spielen, die man kennt? Es gibt sicher noch Schwarzenbachs, etliche sind mir auch bekannt teilweise. Sie spielen in der Zürcher Gesellschaft durchaus nach wie vor eine Rolle. Sie sind auch sportlich tätig, sie sind vor allem auch auf dem Gebiet der Jagd tätig und arbeitest. Sie arbeiten nach wie vor in Ihrem Familienkonzern, in Ihrem Familienunternehmen. Man kennt nach wie vor Schwarzenbach, Sie sind in der Zürcher Gesellschaft verankert. Und von den Vermögensverhältnissen her, was reden wir da von Immobilienbesitz im Milliardenbereich, Millionenbereich? Wie muss man das ungefähr einstufen? Sicher im sehr, sehr hohen Millionenbereich. Ich habe es da nicht nachgezählt, aber das ist sicher ein... Nach wie vor gutes Geschäft. Wer in Immobilien investiert, der hat ja in den letzten Jahrzehnten nichts falsch gemacht. Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Meine Damen und Herren, Ihnen Dank für die Aufmerksamkeit. Ja, es ist interessant, wie eine an sich unscheinbare Familiengeschichte global im Wortsinn Fäden zieht, Seidenfäden zieht, bis in die Vereinigten Staaten, Fifth Avenue, die entsprechenden Gebäude stehen noch. Aufbau, kreative Zerstörung, aber immer noch Wohlstandsgrundlagen, weit, weit über 100 Jahre nach der Firmengründung. Das ist die Geschichte der Schwarzenbachs, auch in der Publizistik, Spuren hinterlassend in der Weltwoche. Und ich glaube, ein junger Schwarzenbach, Robin Schwarzenbach, ist heute in der Neuen Zürcher Zeitung als Redaktor unterwegs. Das heisst, der Name Auch in unserem Beruf durchaus noch präsent. Ja, Christoph, du willst noch etwas sagen? Vielleicht auch der Name Alexis Schwarzenbach wäre noch zu erwähnen. Gewissermassen der Familienhistoriker. Er hat eine Professur in Luzern und beschäftigt sich in seinen Projekten intensiv mit der Geschichte der Schweizer Seidenindustrie. Hat natürlich auch viele Kenntnisse aus der Familiengeschichte und hat das bewundernswert, unerschrocken und offen angepackt. auch die unangenehmen Kapitel. Ja, also vielen Dank noch für diese Ergänzung und Ihnen wünschen wir einen schönen Tag und freuen uns auf ein Wiedersehen bei den nächsten Meilensteinen der Schweizer Geschichte.
Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.
Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.
Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.
Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.