Wie weit wird Deutschland mit seiner Politik der Konfrontation gegenüber Russland noch gehen? Wo liegen die Grenzen?
Was Boris Pistorius gerade in einem Gespräch mit der Financial Times gesagt hat, verdeutlicht: Deutschland hat einen Weg eingeschlagen, der fassungslos macht. Der Bundesverteidigungsminister hat mit dem Blatt über die Wiederbewaffnung Europas gesprochen.
Die FT schreibt: «Er», also Boris Pistorius, «betonte, dass deutsche Truppen, die jahrelang eine Kultur der militärischen Zurückhaltung als Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs pflegten, bereit wären, im Falle eines Angriffs Moskaus auf einen Nato-Mitgliedstaat russische Soldaten zu töten.»
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
Die Zeitung zitiert im Anschluss Pistorius direkt mit den Worten: «Wenn die Abschreckung nicht funktioniert und Russland angreift, wird es dann passieren? Ja», sagte er. «Aber ich würde Ihnen empfehlen, einfach nach Vilnius zu fahren und mit den Vertretern der deutschen Brigade dort zu sprechen. Die wissen genau, was ihre Aufgabe ist.»
Das ist eine Rhetorik, die bereits das Blutvergiessen zwischen Deutschland und Russland auf einem Schlachtfeld in Betracht zieht. In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland für die Ermordung von Millionen von Russen im Zweiten Weltkrieg verantwortlich ist, sind diese Worte nicht einfach nur ein rhetorischer Fehlgriff. Sie sind der Wegweiser einer neuen deutschen Konfrontationspolitik, die ihre Motivation aus dem Feindbild Russland zieht – und dabei immer mehr Geschichtsvergessenheit zeigt.
Pistorius sagte auch: «Wir müssen schneller werden. Wir müssen effektiver werden. Wir müssen Regeln über Bord werfen, wenn es um Beschaffung und Planung geht.» An dieser Stelle geht es um die Aufrüstung.
In Moskau blieben die Aussagen nicht unbemerkt. Gegenüber dem russischen Medium RBC sagte Kreml-Sprecher Peskow, er könne die Worte Pistorius’ kaum glauben. «Aber leider stimmt das. Deutschland wird wieder gefährlich.»