Auch 600 Tage nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 werden in Gaza noch immer Geiseln festgehalten – unter ihnen auch deutsche Staatsbürger. Die deutsche Israelin Ricarda Louk, deren Tochter Shani beim Nova-Festival entführt und ermordet wurde, fordert in einem emotionalen Appell in der Zeitung Jüdische Allgemeine mehr Aufmerksamkeit und Engagement von Deutschland und der internationalen Gemeinschaft.
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«Wir wissen noch nicht einmal, wie viele von ihnen noch am Leben sind», schreibt Louk in einem Beitrag mit dem Titel «Vergesst sie nicht!». Sie kritisiert das nachlassende Interesse an den Verschleppten und warnt davor, dass das Schweigen letztlich der Hamas in die Hände spiele. «Wenn Anteilnahme durch Schweigen abgelöst wird, dann hat die Terrororganisation ihr übles Spiel gewonnen.»
Louk fordert mehr politischen Druck – nicht auf Israel, sondern auf die Hamas. Vor allem Katar als Vermittler müsse stärker in die Pflicht genommen werden. «Katar ist nicht neutral. Die Regierung dort steht auf der Seite der Hamas», so Louk. Kritik richtet sich auch an die deutsche Politik, die ihrer Meinung nach zu wenig tut, die Freilassung der Geiseln zu unterstützen.
«Der 7. Oktober ist für alle hier noch ganz frisch, als sei es erst gestern passiert», schreibt Louk über die Stimmung in Israel. In ihrer alten Heimat Deutschland jedoch, so ihr Vorwurf, sei der Blick auf das Schicksal der Geiseln weitgehend verblasst.