Eine antike Skulptur der «Venus Medici» ist aus dem Foyer des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen in Berlin entfernt worden. Hintergrund ist eine Beschwerde der Gleichstellungsbeauftragten des Amtes, wonach die nackte Frauendarstellung der Statue als sexistisch empfunden werden könne. Das teilte eine Sprecherin des Bundesverwaltungsamtes der Bild-Zeitung mit.
FRANK HORMANN / KEYSTONE
Die bronzene Venus, ein Werk aus dem frühen 18. Jahrhundert, stand über zehn Jahre im Eingangsbereich der Behörde in Berlin-Weissensee. Sie wurde am 15. Juli 2024 an die Kunstverwaltung des Bundes zurückgegeben, ohne dass das betroffene Bundesamt zuvor informiert worden wäre.
„Venus Medici“
Nach Sexismus-Beschwerde: Ernsthaft? Eine jahrhundertealte Skulptur, geschaffen in einer völlig anderen Zeit, wird heute plötzlich zur Zielscheibe moderner Empörung? Dabei handelt es sich um ein wertvolles, historisch bedeutsames Kunstwerk. https://t.co/NIGK2eV51e pic.twitter.com/M87etvNUG3_e('Werbung', 'weltwoche'); ?>— Bettina Punkt (@Taykra) May 18, 2025
![]()
Die Reaktion auf die Entscheidung fiel nicht nur im kulturellen Bereich kritisch aus. Museumsdirektor Olaf Thormann vom Grassi-Museum in Leipzig, wo die Skulptur nun als Leihgabe ausgestellt ist, zeigte sich erstaunt über den Sexismus-Vorwurf: «Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Venus Medici als sexistisch empfunden werden könnte. Sie ist ja schon vom Typus her eine ‹schamhafte› Venus und zeigt keine anbiedernde Nacktheit. Diese angebliche Anstössigkeit ist eine merkwürdige Interpretation von Kunst.»
Die Venus-Figur hat eine bewegte Geschichte. In den 1940er Jahren stand sie auf dem Anwesen von Hermann Göring, wurde zum Kriegsende im Grossdöllner See versenkt und erst 1990 von Polizeitauchern geborgen. Nach einer Restaurierung wurde sie seit 2012 öffentlich ausgestellt.