«Es gibt nur einen Präsidenten im Land, und das ist Nicolás Maduro», rief die amtierende Präsidentin Delcy Rodriguez aus. Aber der ist leider in einem US-Gefängnis unabkömmlich. «Schluss mit den Befehlen Washingtons zur venezolanischen Politik», rief sie in besseren Zeiten an einer Kundgebung kämpferisch den Massen zu.
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Rodriguez ist die Tochter eines linken Guerilleros, der 1976 an der Entführung und Ermordung eines US-Geschäftsmanns beteiligt war. Sie war von 2024 bis 2026 Öl-Ministerin – und somit direkt verantwortlich für das fortgesetzte Desaster der Ölgewinnung. Sie war von 2018 bis 2026 Vizepräsidentin Venezuelas und damit Chefin der berüchtigten Geheimpolizei SEBIN. Die ist für ihr brutales Vorgehen inklusive Folter gegen Regimekritiker und Oppositionelle bekannt.
Sie verbat sich immer, auch als Aussenministerin, lauthals jegliche Einmischung der imperialistischen USA in innere Angelegenheiten: «Venezuela wird niemals die Kolonie von irgendwem sein.» Aber in der Nacht vom 2. Auf den 3. Januar 2026 verwandelte sie sich in die willige Helfershelferin von US-Präsident Donald Trump, der ganz offen sagt, dass die USA – bzw. er selbst – in Venezuela herrschen. Und das bis auf unabsehbare Zeit.
Nun hätte Rodriguez dem Vorbild ihres Vaters folgen und im Untergrund als Guerillera gegen die Yanquis, die Amerikaner kämpfen können. Sie hätte sich zumindest mutig dem Ansinnen der USA entgegenstellen können, Hand auf die grössten Ölvorräte der Welt zu legen.
So als Mitglied der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas und stramme Gefolgsfrau von Maduro, der sie dafür auch schon mit einem der höchsten Orden behängte. Aber nicht nur das süsse Gift der Korruption, das alle Mitglieder des Maduro-Clans in vollen Zügen schlürfen, hält sie davon ab. Es ist nicht genau bekannt, welche Scheibe sie sich von den rund 300 Milliarden Dollar abgeschnitten hat, die seit dem Antritt von Hugo Chávez in dunklen Kanälen versickert sind.
Aber dass sie als grösster Wendehals, grösste Opportunistin, grösste Verräterin an allen Prinzipien (wenn sie jemals welche hatte) in die venezolanische Geschichte eingehen wird, das ist gewiss.