In der Stadt Bern bahnt sich ein Streit ums Essen an. Nach einem Vorstoss im Stadtrat steht zur Debatte, ob künftig in allen städtischen Einrichtungen ausschliesslich vegane Menüs angeboten werden sollen. Der Anstoss kam von Tobias Sennhauser, Stadtrat der Kleinstpartei «Tier im Fokus». Er fordert eine Ausweitung des veganen Angebots, wie es bereits an der Universität Bern diskutiert wird.
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«Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, dass wir uns nicht gewehrt haben, als es noch möglich gewesen ist», sagt Jürg Iseli, Präsident des Berner Bauernverbands, der NZZ. In einem offenen Brief an die Stadtregierung warnt der Verband vor einer ideologischen Bevormundung: «Regional statt radikal: Nachhaltigkeit ist keine Ernährungsideologie.»
Sennhauser sieht in seinem Vorstoss jedoch keinen Kulturkampf, sondern eine «vorsichtige Annäherung». Die pflanzliche Ernährung ist aus seiner Sicht die inklusivste Form – niemand werde ausgeschlossen. «Fleisch tut dies aber», so Sennhauser, mit Verweis auf ökologische, gesundheitliche, religiöse oder ethische Gründe.
Die Fronten verlaufen dabei nicht nur zwischen Bauern und Tierschützern. Auch innerhalb der ökologisch gesinnten Politik regt sich Kritik. Die Grüne-Nationalrätin Meret Schneider hält die Forderung nach einer rein veganen Verpflegung an Universitäten für kontraproduktiv: «Das verhärtet Fronten, zementiert das Narrativ des Kulturkampfes.»