USA wussten offenbar von Nord-Stream-Sabotage: Wie Behörden, Politik und Medien uns an der Nase herumführen wollen
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USA wussten offenbar von Nord-Stream-Sabotage: Wie Behörden, Politik und Medien uns an der Nase herumführen wollen

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USA wussten offenbar von Nord-Stream-Sabotage: Wie Behörden, Politik und Medien uns an der Nase herumführen wollen
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«CIA soll früh in Pläne der Nord-Stream-Angreifer eingeweiht gewesen sein» – mit dieser Schlagzeile berichtet der Spiegel aktuell über den grössten Anschlag auf die Energie-Infrastruktur der Bundesrepublik seit ihrem Bestehen.

Allerdings: Was spektakulär klingt, ist mit Vorsicht zu betrachten – genauso wie die gesamten Nachrichten rund um den Nord-Stream-Anschlag. Was ist Information? Was ist Desinformation? Was entspricht der Wahrheit? Was ist eine Halbwahrheit? Was sind Lügen?

Swedish Coast Guard via AP, File
Gasblasen oberhalb der leckgeschlagenen Nord-Stream-Röhren in der Ostsee, September 2022.
Swedish Coast Guard via AP, File

Laut den jüngsten «Enthüllungen» soll die CIA – also der Auslandsgeheimdienst der USA – mit ukrainischen Saboteuren 2022 den Anschlag «besprochen» haben, später habe sie sich jedoch «dagegengestellt». Laut dem Spiegel hat es mit Mitarbeitern des US-Geheimstes ein erstes Treffen in Kiew gegeben, wobei die Idee eines Anschlags ins Auge gefasst wurde. Angeblich hatte die Ukraine den Eindruck gewonnen, die CIA stünde hinter dem Vorhaben – auch finanziell. Auf eine Anfrage des Spiegels reagierte der Geheimdienst und merkte an, die Recherche sei äusserst ungenau und zudem komplett falsch.

Richtig ist: Der Spiegel bietet in seinem Beitrag kaum Substanzielles. Dafür ist etwas anderes klar: Seit beinahe dreieinhalb Jahren ist die deutsche Regierung nicht in der Lage, der Öffentlichkeit mitzuteilen, wer für diesen weitreichenden Anschlag zweifelsfrei verantwortlich ist.

Im Sommer 2025 wurde ein ukrainischer Staatsbürger verhaftet, der angeblich mit dem Anschlag im Zusammenhang stehen soll. Seit November sitzt er in Deutschland in Haft. Die Bundesregierung übt sich in Sachen Nord Stream in eigenartiger Zurückhaltung – während der Bundeskanzler sich am Politischen Aschermittwoch energiegeladen über eine Klarnamenpflicht im Internet auslässt.

Der Name des US-Geheimdienstes jedenfalls taucht im Zusammenhang mit den Anschlägen immer wieder auf. 2023 berichtete die New York Times davon, dass die CIA bereits 2022 ein Wissen über Anschlagspläne vonseiten der Ukraine gehabt habe. Viel weiter gehen jedoch die Recherchen des US-Journalisten Seymour Hersh. Unter der Überschrift «Wie Amerika die Nord-Stream-Pipeline ausgeschaltet hat» schilderte die Reporterlegende seine Sicht, wonach die Planungen bereits im Dezember 2021 begonnen haben – unter Beteiligung der CIA, des US-Aussenministeriums und des Pentagon. Auch Hershs Recherchen sind bis heute nicht bewiesen.

Zu den greifbaren Fakten: Die CIA agierte laut Medienberichten ab 2014 in der Ukraine. Über die Unit 2245 liefen 2014 und 2015 paramilitärische Programme an. Ab 2016 gab es eine massive Ausweitung. Am 7. Februar 2022, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz und US-Präsident Joe Biden, sagte Biden im Hinblick auf Nord Stream: «Wenn Russland einmarschiert – das bedeutet Panzer oder Truppen, die wieder die Grenze zur Ukraine überschreiten –, dann wird es kein Nord Stream 2 mehr geben. Wir werden dem ein Ende setzen.» Auf Rückfrage eines Reporters sagte Biden: «Ich verspreche Ihnen, wir werden in der Lage sein, das zu tun.»

Unmittelbar nach den Anschlägen veröffentlichte der damalige polnische Europaabgeordnete und ehemaligen Aussen- und Verteidigungsminister des Landes, Radoslaw Sikorski, einen Tweet auf der Plattform X mit den Worten: «Thank you, USA». Darüber ein Foto der Gasblasen an der Meeresoberfläche über der beschädigten Pipeline.

Weder der Tweet, weder das Agieren der CIA in der Ukraine noch die Aussagen Bidens haben den Wert eines Beweises. Sie haben jedoch dazu geführt, dass eine US-Beteiligung, in welcher Form auch immer, nicht ausser Acht gelassen werden darf.

Es gilt sich die Ungeheuerlichkeit der Gesamtsituation vor Augen zu führen: Die Anschläge auf Nord Stream haben die Bundesrepublik schwer getroffen. Im Grunde genommen können sie als Kriegsakt betrachtet werden. Mit jenen Staaten, denen in der öffentlichen Diskussion eine wie auch immer geartete Beteiligung nachgesagt wird, kooperiert die Bundesregierung.

Der Eindruck entsteht, dass hier auf Zeit gespielt und die Öffentlichkeit hingehalten wird. Wo klare Benennung und Kritik im Hinblick auf vorhandene Fakten notwendig wären, findet sich Wortkargheit. Und die Öffentlichkeit wird über Halbausgegartes an der Nase herumgeführt.

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