Nach der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» von Crans-Montana, die 40 Tote und 116 Schwerverletzte forderte, prasselte viel Kritik aus dem In- und Ausland auf die Walliser Ermittlungsbehörden und auch auf den Kanton nieder. Mal stehen die angeblichen Unterlassungen der Generalstaatsanwältin im Fokus, zum Beispiel die Autopsien, die sie nicht anordnete. Oder es wird ihr verständnisvolles Verhalten gegenüber den Gemeindebehörden angeprangert. Und über allem steht der Ruf nach einem ausserkantonalen Sonderstaatsanwalt.
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Für SVP-Nationalrat Michael Graber geht das Wallis-Bashing der Medien, aber auch aus Italien, zu weit. In einer Kolumne der Oberwalliser Tageszeitung Walliser Bote hebt der Briger Politiker zwar ebenfalls die Fehler hervor, die zu diesem Flammeninferno geführt haben. Er zeigte sich aber auch wütend über die Art und Weise, wie sich «Politiker und Medien an uns Schweizern und uns Wallisern jetzt die die Schuhe abputzen.» Und weiter: «Manchmal scheint es mir, als hätten Deutschschweizer Journalisten richtig Freude daran, wenn die Schweiz vom Ausland gemassregelt wird.
So würden etwa die harschen Vorwürfe aus Italien unwidersprochen weiterverbreitet. Graber findet, dass man bei all der berechtigten Kritik zwischendurch auch mal erwähnen sollte, dass die Anklage gegen die mutmasslichen Verantwortlichen des Morandi-Unglücks erst im letzten Oktober zustande kam, also sieben (!) Jahre nach dem Brückeneinsturz in Genua, bei dem 43 Menschen starben.
Ganz gleich, ob die italienischen oder die eigenen Medien jetzt jetzt überheblich mit dem Zeigefinger aufs Wallis zeigen, man sollte nicht den ganzen Kanton unter Generalverdacht stellen. Das Drama von Crans-Montana hätte auch anderswo passieren können, denn geschlampt bei der Arbeit wird nicht nur im Rohnetal, sondern vielenorts. De facto überall da, wo Faulheit und Profitgier der Verantwortung und dem Pflichtbewusstsein gewichen sind.