Die Botschaft kommt nicht laut daher, sondern in der für Märkte typischen Höflichkeit: Deutschland bietet zehn Jahre laufende Staatsanleihen an. Normalerweise gehen die über den Tisch wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Aber diesmal bleibt ein Teil liegen. So geschehen diese Woche. Das ist kein Drama, kein Crash, aber es ist kein gutes Signal. In Berlin verbucht man es allerdings als Randnotiz.
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Bundesanleihen waren über Jahrzehnte das, was die Finanzwelt «risikolos» nennt. Sie waren jenes seltene Versprechen, bei dem niemand ernsthaft nachfragt. Wenn plötzlich doch nachgefragt wird, wenn die Zeichnungsfreude sich in Grenzen hält, dafür aber der Zinssatz, den der Bund anbieten muss, steigt, damit überhaupt jemand kauft – dann hat sich die Wahrnehmung des Schuldners verändert. Deutschland, so sehen es die Gläubiger, ist kein so sicherer Schuldner mehr.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf den Ölpreis treiben die Inflation. Dazu kommt: Führende Wirtschaftsforschungsinstitute attestieren der Bundesregierung gerade, dass sie ihre Schuldenpolitik zunehmend kreativ gestaltet. Geld, das für Investitionen reserviert war, verschwindet im gefrässigen Bundeshaushalt. Der Berliner Haushalt-Hokuspokus hinterlässt Spuren an den Märkten. Das Problem ist dabei nicht die Verschuldung an sich, sondern ihre Verpackung. Was früher Kredit hiess, heisst heute Sondertopf; was früher Ausnahme war, wird zur Methode. Politisch mag das funktionieren, ökonomisch ist es durchsichtig. Märkte lassen sich beeindrucken, aber nicht täuschen.
Die Reaktion fällt entsprechend nüchtern aus: Man leiht Deutschland weiterhin Geld – aber nicht mehr zu den alten Bedingungen. Zinsen steigen, Nachfrage sinkt, Misstrauen wird eingepreist. Das ist noch keine Panik, aber es ist die begründete Skepsis gegenüber einem Staat, der beginnt, Regeln zu umgehen, statt sie einzuhalten.