Kaum jemand liest die Berichte der Vereinten Nationen. Das ist nicht etwa die Einschätzung eines Kritikers, sondern das Fazit eines offiziellen Uno-Berichts, der anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Organisation veröffentlicht wurde. Laut der Studie, die UN-Generalsekretär António Guterres in Auftrag gegeben hatte, produziert die Uno jährlich über 1100 Berichte – eine Zahl, die seit 1990 um 20 Prozent gestiegen ist.
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«Die schiere Anzahl an Sitzungen und Berichten bringt das System – und uns alle – an den Rand des Zusammenbruchs», warnte Guterres vor der Generalversammlung. Die Bürokratie sei so aufgebläht, dass sie sich selbst lähme.
Nur die obersten 5 Prozent der Uno-Dokumente würden mehr als 5500 Mal heruntergeladen. Umgekehrt blieben 20 Prozent unter der Marke von 1000 Downloads. Und selbst das Herunterladen garantiere nicht, dass die Berichte auch gelesen würden, betont die Studie.
Mit der sogenannten UN80-Task-Force will Guterres den Verwaltungsapparat reformieren. Ziel ist es, Mandate zu verschlanken und das System «wirkungsvoller und kohärenter» zu machen. Doch der Reformdruck wächst nicht nur von innen: Bei einem Brics-Gipfel sprach sich Russlands Präsident Wladimir Putin für eine Reform des Uno-Sicherheitsrats aus. Auch Indien fordert seit Jahren eine stärkere Vertretung aufstrebender Staaten.
Derweil vergleicht Indiens Aussenminister die Uno mit einem «alten Unternehmen», das dem Markt nicht mehr gewachsen sei, aber weiterhin Platz beanspruche.