Kurz vor Beginn der Uno-Klimakonferenz im brasilianischen Belém haben rund zwei Drittel der beteiligten Staaten keinen neuen Klimaplan vorgelegt. Damit wurde eine zentrale Erwartung des Gastgeberlandes Brasilien missachtet, das sich einen frühzeitigen Überblick über die weltweiten Klimaziele erhofft hatte.
Laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Klimasekretariats der Vereinten Nationen haben 64 Länder neue Klimabeiträge eingereicht. Das entspricht einem Drittel der 190 Staaten, die im kommenden November an der Klimakonferenz in Brasilien vertreten sind. «Die neuen Beiträge sind besser, glaubwürdiger und decken mehr Wirtschaftssektoren ab als früher», sagt Simon Stiell, Leiter des Klimasekretariats, zu den Berichten jener Staaten, die ihre Klimaziele vorgelegt haben. Das Problem: Die 64 Länder sind lediglich für weniger als ein Drittel der globalen Emissionen verantwortlich.
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Obwohl es keinen verbindlichen Mechanismus zur Durchsetzung der Klimaziele gibt, sollte das Pariser Abkommen von 2015 ursprünglich durch den gegenseitigen Druck der Staaten funktionieren. Alle fünf Jahre waren neue Beiträge zur Reduzierung der Umweltbelastung vorgesehen – ein Prinzip, das nun bröckelt. China reichte seinen Plan verspätet ein, andere Staaten – darunter auch Deutschland – blieben hingegen untätig. Grund dafür ist unter anderem die Uneinigkeit innerhalb der EU. Insbesondere osteuropäische Länder sowie Frankreich hätten sich gegen ambitioniertere Klimaziele gesträubt, wie die FAZ berichtet.
Laut Uno-Prognose werden die eingereichten Klimapläne nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, wie es im Pariser Abkommen vorgesehen war. Stiell schätzt dennoch, dass die globalen Emissionen bis 2035 im Vergleich zu 2019 um 10 Prozent sinken könnten – vorausgesetzt, die eingereichten Pläne werden vollständig umgesetzt.