Den Vereinten Nationen droht nach Angaben ihres Generalsekretärs António Guterres der «finanzielle Kollaps». In einem Schreiben an alle 193 Mitgliedstaaten warnte Guterres davor, dass der Organisation im Juli das Geld ausgehen könnte. Ursache sei die zunehmende Zahl von Staaten, die ihre Pflichtbeiträge nicht mehr leisteten – allen voran die USA.
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«Ich kann die Dringlichkeit der Lage nicht genug betonen», heisst es in dem Brief, der laut Berichten des Uno-Hauptquartiers in Genf inzwischen öffentlich aushängt. Das System befindet sich im Sparmodus. Guterres spricht von einer «fundamental anderen Situation» als bei früheren Finanzkrisen.
Besonders schwer wiegt, dass die USA – grösster Beitragszahler der Uno – 2025 weder ihre regulären Beiträge noch den Grossteil der Mittel für Friedensmissionen überwiesen haben. Präsident Donald Trump hat die Uno mehrmals als ineffizient und «globalistisch» kritisiert und sich Anfang 2026 offiziell aus über dreissig Uno-Organisationen zurückgezogen, darunter auch die WHO.
Auch andere wichtige Geberländer wie Grossbritannien und Deutschland haben ihre Beiträge gekürzt. In der Folge mussten mehrere Uno-Programme eingestellt oder massiv reduziert werden. In Afghanistan wurden Mutter-Kind-Kliniken geschlossen, das Welternährungsprogramm kürzte seine Hilfe für Flüchtlinge aus dem Sudan, und das Büro für Menschenrechte warnte, es könne schwerwiegende Verstösse künftig nicht mehr dokumentieren.
Hinzu kommt ein technisches Problem: Gemäss bestehenden Regeln muss die Uno nicht verwendete Gelder an Mitgliedstaaten zurückerstatten – auch wenn diese nie eingezahlt wurden. So musste die Organisation im Januar rund 227 Millionen Dollar «zurückzahlen», die faktisch nie vorhanden waren. «Ein doppelter Schlag», so Guterres: «Wir sollen Budgets mit unbezahlten Beiträgen umsetzen und gleichzeitig Geld zurückgeben, das wir nie erhalten haben.»
Der Generalsekretär fordert nun eine grundlegende Reform der Finanzstruktur der Vereinten Nationen – oder die rasche und vollständige Zahlung aller Beiträge. Andernfalls droht dem System, das weltweit für Stabilität und humanitäre Hilfe steht, die Zahlungsunfähigkeit.