Jeder zweite Russe hält Deutschland für ein «feindseliges» Land. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Lewada-Zentrums hervor, die im Auftrag der Deutschen Sacharow-Gesellschaft durchgeführt wurde. Die Zeitung Die Welt berichtet.
62 Prozent der Befragten sehen Polen und Litauen als feindlich, 57 Prozent Grossbritannien, 50 Prozent Deutschland und 40 Prozent Schweden. Die USA gelten für die Mehrheit weniger als Feind, sondern als «Konkurrent» (53 Prozent). Als befreundet nennen die Russen vor allem Belarus, China, Kasachstan, Indien und Nordkorea – mit Ausnahme Indiens allesamt autoritär regierte Staaten.
KAY NIETFELD / KEYSTONE
Der russische Soziologe Lew Gudkow sprach in Berlin von einer «Militarisierung des Bewusstseins». Russland habe seit dem Ende der Sowjetunion nur sechs Jahre lang keinen Krieg geführt, sagte er. Das Land sehe sich nicht als Aggressor, sondern als Opfer. Dieser Glaube sei heute tiefer verankert als je zuvor: 65 Prozent der Russen seien überzeugt, Russland habe keine Kriege begonnen – 1998 waren es noch 36 Prozent.