Ein beispielloser Drohnenangriff der Ukraine auf russische Militärflugplätze hat nach Experteneinschätzungen bis zu 20 Prozent von Moskaus einsatzbereiter Langstreckenbomberflotte ausser Gefecht gesetzt. Die ukrainische Operation, die laut Informationen der Financial Times über eineinhalb Jahre vorbereitet und mit versteckten Drohnen in LKW tief ins russische Hinterland getragen wurde, könnte gravierende Auswirkungen auf die russischen Luftoperationen im Krieg gegen die Ukraine haben.
Source in the Ukrainian Security Service via AP.Russia Ukraine War
«Diese Operation hat zweifellos Russlands Fähigkeit zu Fernangriffen beeinträchtigt», erklärte Michael Kofman vom Carnegie Endowment for International Peace. Die beschädigten oder zerstörten Flugzeuge seien nicht mehr in Produktion und kaum zu ersetzen. Die Angriffe markieren laut Kofman einen Wendepunkt: «Der Krieg hat nun auch eine reale militärische Kostenbilanz für Russland.»
Offiziell gab Moskau nur «mehrere beschädigte Luftfahrzeuge» zu, während Kiew von über vierzig zerstörten Maschinen spricht. Unabhängige Analysen gehen von zehn bis zwölf bestätigten Treffern aus, berichtet die Financial Times. Selbst diese Zahl wäre operativ verheerend: Getroffen wurden strategische Träger, die für Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine eingesetzt wurden. Militärexperte Fabian Hoffmann von der Universität Oslo betonte, es habe sich bei den getroffenen Maschinen um besonders einsatzbereite Exemplare gehandelt.
Die russische Führung steht nun vor der Frage, ob sie weiterhin Flugzeuge für Massenangriffe zusammenziehen kann – eine Taktik, die das ukrainische Luftabwehrsystem bisher überfordert hat. William Alberque vom Stimson Center erklärte: «Wenn Russland gezwungen ist, die Flugzeuge zu verteilen, wird das seine Schlagkraft deutlich schwächen.»
Die Angriffe fanden unmittelbar vor den Verhandlungen in Istanbul statt. Oleksij Melnyk vom Razumkow-Zentrum sieht darin ein politisches Signal: «Es ist ein Zeichen an Moskau, dass die Ukraine nicht nur übersteht, sondern auch strategisch angreifen kann – ganz ohne westliche Waffen.»