Der Rüstungskonzern Rheinmetall verzeichnet Rekordumsätze – und gerät gleichzeitig wegen Lieferungen nach Russland in die Kritik. Trotz offizieller Bekundungen, sich vom russischen Markt zurückzuziehen, wurden bis mindestens September 2022 Ersatzteile geliefert. Das berichtet das Portal Businessinsider.
Konkret geht es um die Konzerntochter MS Motorservice aus Baden-Württemberg, die laut Angaben mehr als 2000 Lieferungen von Motorteilen für Lkws abgewickelt haben soll – darunter Kolben, Ölpumpen und Abgasrückführungsventile. Diese Ersatzteile seien über Zwischenhändler auch in russischen Werkstätten gelandet. Rheinmetall selbst erklärte, es habe sich um Altverträge gehandelt, deren Umsetzung sich durch behördliche Prüfverfahren verzögert habe. Man habe Vertragsstrafen vermeiden wollen.
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Brisant ist der Vorgang nicht zuletzt deshalb, weil Rheinmetall seit Kriegsbeginn 2022 als zentraler Profiteur der von Kanzler Olaf Scholz ausgerufenen «Zeitenwende» gilt. Der Konzern ist tief in die Lieferungen westlicher Waffensysteme an die Ukraine eingebunden. Vorstandschef Armin Papperger wird von Businessinsider zitiert, er gehe «im Präsidentenpalast von Wolodymyr Selenskyj ein und aus». Der Bau einer Panzerfabrik in der Ukraine ist bereits in Planung.
Die Russland-Geschäfte erscheinen im Licht dieser strategischen Ausrichtung widersprüchlich. Zwar betont Rheinmetall, dass es sich nicht um militärische Produkte gehandelt habe. Doch Experten verweisen auf die Bedeutung von Lkw-Teilen für die Logistik der russischen Armee – ein sensibler Bereich.
Ein Sanktionsexperte mahnt Aufklärung an: Rheinmetall habe eine «Leuchtturmfunktion». Es dürfe «nichts an Zweifeln zurückbleiben».