Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden Nabu und Sapo haben Anklage gegen den früheren Energieminister Herman Haluschtschenko erhoben. Ihm werden Geldwäsche und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, wie ukrainische Medien berichten. Laut den Ermittlern sollen insgesamt 112 Millionen Dollar aus dem Staatshaushalt veruntreut worden sein.
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Ein Teil der Gelder soll über ein komplexes Netz von Tarnfirmen auf den Marshallinseln, Saint Kitts und Nevis sowie Anguilla an die Familie des Ex-Ministers geflossen sein. Dies berichtet die NZZ. Über Schweizer Bankkonten sollen so mehr als 7,4 Millionen Dollar gewaschen worden sein. Haluschtschenkos Ex-Frau und die vier Kinder leben seit Kriegsausbruch in der Region Genf.
Die Ermittler führen auch Ausgaben für Schweizer Privatschulen an: Der älteste Sohn des früheren Ministers besucht laut Recherchen von Radio Liberty das Collège alpin Beau Soleil in Villars-sur-Ollon, wo Jahresgebühren von bis zu 148.000 Franken anfallen.
Haluschtschenko war im November nach Aufdeckung des Skandals entlassen worden und versuchte am Wochenende, das Land Richtung Warschau zu verlassen. An der Grenze wurde er festgenommen. Der Fall gilt als grösster Korruptionsskandal in der Amtszeit von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Laut Nabu laufen internationale Ermittlungen in Zusammenarbeit mit fünfzehn Staaten – auch gegen weitere Personen aus Selenskyjs Umfeld.