Die Ukraine braucht womöglich deutlich mehr Geld als bisher angenommen. Laut einem Bericht von Bloomberg geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass der Finanzbedarf des Landes für die Jahre 2026 und 2027 um bis zu 20 Milliarden Dollar über den Schätzungen der Regierung in Kiew liegen könnte. Die Agentur beruft sich auf nicht namentlich genannte Quellen aus IWF-Kreisen.
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Kiew kalkuliert mit einem jährlichen Bedarf von bis zu 37,5 Milliarden Dollar. Der IWF hält jedoch einen zusätzlichen Bedarf von 10 bis 20 Milliarden Dollar für möglich. Diese Einschätzung sorgt für Spannungen in den laufenden Gesprächen über ein neues Kreditprogramm, das dem bisherigen IWF-Hilfspaket folgen soll.
Die Differenzen wurden in der vergangenen Woche bei Gesprächen zwischen IWF-Vertretern und ukrainischen Regierungsmitgliedern in Kiew deutlich. Beide Seiten hoffen, bereits in den kommenden Tagen eine Einigung über die tatsächliche Finanzierungslücke zu erzielen. Erst danach soll mit internationalen Partnern über mögliche zusätzliche Finanzierungsquellen gesprochen werden.
Von den ursprünglich zugesagten 15,5 Milliarden Dollar aus dem aktuellen IWF-Programm sind laut Bloomberg bereits die meisten Mittel geflossen. Die Vereinbarung läuft bis 2027 und basierte ursprünglich auf der Annahme, dass der Krieg in der Ukraine noch in diesem Jahr endet.
Der IWF fordert von der Ukraine unter anderem Steuererhöhungen und eine stärkere Bekämpfung der Schattenwirtschaft, die nach Schätzungen mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Die Regierung in Kiew zögert bislang, neue Steuern einzuführen.