Endlich wird wieder verhandelt zwischen der Ukraine und Russland. Wieder in Istanbul, wo es 2022 schon hätte eine Einigung geben können. Doch auch der Westen, auch die Amerikaner wollten das damals nicht.
Wer auf Frieden, auf Verhandlungen drängte, um das Töten und Sterben zu beenden, wurde in Europa gerne als Putin-Versteher beschimpft («Moskau einfach» reloaded). Jeder Versuch, insbesondere der Amerikaner, wurde im Vorhinein als «Diktatfriede» diskreditiert.
Doch welche Lösung haben die Europäer? Keine.
Trumps Realitätsschock lässt sie Schritt für Schritt abrücken von ihren illusionären Vorstellungen, die unlängst noch auf Sieg ausgingen. Kiews Truppen in Wladiwostok, Moskau und St. Petersburg in Schutt und Asche? Ein absurdes Szenarium.
Symptomatisch scheint da der Fall Frankreichs. Macron reiste mit Merz, Starmer, Tusk nach Kiew und sicherte Selenskyj volle Unterstützung zu. Nur um dann kleinlaut nachzuschieben, dass man gar nicht die notwendigen Mittel habe, um Moskau in die Knie zu zwingen. Die deutsche ARD spottete über Macrons «geizige Grossmacht».
Macron betont derweil zu Recht, Frankreich wolle «keinen Dritten Weltkrieg entfesseln». Auch dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer realistischeren, vernünftigeren Betrachtungsweise. Wer vor diesem Horrorszenario gewarnt hatte, wurde eben erst noch in die Ecke historisch übelst beleumundeter Beschwichtiger gestellt, auch etwa vom neuen deutschen Aussenminister Wadephul, der Warnungen vor einer «Eskalation» mit ewiger Schuld auflud.
Was die Gespräche in Istanbul bringen, wohin sie führen werden, weiss noch niemand. Fest steht aber: Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Europäer ihre doppelten Standards aufgeben und ihrem Verbündeten in Kiew klarmachen würden, dass er Zugeständnisse machen muss, um den Krieg zu beenden. Er hat gar keine andere Wahl.