Lima
Peru ist ein Dorado für Entwicklungshelfer. Die NGO-Industrie setzt hier Milliardenbeträge um. Doch die Einstellung von USAID hat in der Heimat der Inkas weder Wellen geworfen noch spürbare Folgen gezeitigt.
Seit ihrer Gründung 1961 unter Präsident Kennedy hat USAID rund 4,2 Milliarden Dollar nach Peru überwiesen. Im Fokus stand anfänglich die Geburtenkontrolle. Unter der sozialistischen Militärdiktatur (1969 bis 1980) wurde die US-Hilfe eingestellt. Messbare Erfolge zeitigte die von den USA geförderte Familienplanung erst unter der rechten Regierung Fujimori (1990 bis 2001). Der Rückgang der Fertilität führte zu einer dramatischen Senkung der Mütter- und Säuglingssterblichkeit (was linke NGOs nicht daran hinderte, das erfolgreiche Programm als «Genozid» zu brandmarken).
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Danach verlagerte sich die US-Hilfe vor allem auf Substitutionsprogramme gegen Koka-Plantagen, die sicher gutgemeint, aber offenkundig erfolglos waren. Unter der Biden-Regierung kam die Förderung der «Woke-Agenda» (Gender, Indigenismus, Klima, Solar- und Windenergie) hinzu. Wie alternative Medien Anfang Jahr enthüllten, hatte USAID verdeckt Millionen an grosse Medienhäuser und Journalisten ausgeschüttet, welche diese Agenda im traditionell konservativen Peru propagieren.
Vor allem der Indigenismus stösst auf wachsenden Widerstand in Peru. Zwar haben fast alle Peruaner indigene Wurzeln, doch gemäss der letzten Volkszählung betrachten sie sich grossmehrheitlich als Mestizen – als genuine Peruaner eben, Teil einer Nation, die ihre Identität aus der Fusion von Ethnien schöpft. Bloss 1 Prozent der Peruaner rechnet sich selbst einer indigenen Ethnie zu. Das Leugnen des spanischen Erbes und das Auseinanderdividieren der Ethnien, wie es etwa in Bolivien geschehen ist, bedroht die Einheit der Nation und führt zu einer Rassensegregation, die Peru bislang fremd war.
USAID steuert rund ein Viertel der zwischenstaatlichen Entwicklungshilfe für Peru von jährlich insgesamt rund 400 Millionen Dollar bei. Allein für die Koka-Substitution sollten bis zum Jahr 2030 weitere 600 Millionen Dollar aus den USA fliessen, die nun wegfallen. Doch nichts spricht dafür, dass diese Programme neuerdings erfolgreicher sein sollten als in der Vergangenheit.
Das grösste Problem für Peru sind allerdings nicht die staatlichen Entwicklungsmillionen, die mehr oder weniger nutzlos bis schädlich ins Land fliessen. Gemäss Schätzungen der Regierung machen diese Überweisungen lediglich 15 Prozent der NGO-Gelder aus, welche aus privaten Quellen und völlig unkontrolliert ins Land fliessen. Allein zwischen 2018 und 2020 ortete die Regierung verdächtige Transfers im Umfang von 3 Milliarden Dollar unter diesem Titel. Von Geldwäsche bis Finanzierung des illegalen Drogen- und Goldhandels ist alles denkbar.
Von geschätzten 1800 NGOs in Peru sind lediglich 70 ordentlich registriert, bloss 270 legen ihre Buchhaltung offen. Die meisten NGOs gelten als halbwegs verdeckte Wahlkampfvehikel für linke Politiker und Parteien. Das führt zu einer Verzerrung des demokratischen Wettbewerbs. Viele der linken Bewegungen in Peru sind zudem – teils verdeckt, teils ganz offen – mit den mafiösen Organisationen verbandelt, die den illegalen Raubbau und das Kokain-Geschäft kontrollieren.
Im letzten April hat der peruanische Kongress – gegen den erbitterten Widerstand der politischen Linken – ein Gesetz verabschiedet, das seit Jahren in der Pipeline steckte und die NGO-Industrie zu mehr Transparenz verpflichten will. Trumps Breitseite gegen die auch in Peru umstrittene Entwicklungshilfe dürfte der überfälligen Vorlage zum Durchbruch verholfen haben.