Donald Trumps Paukenrede von Davos hallt nach und versetzt Europa in Aufstandsmodus. Europas Potentaten und Bruchpiloten suchen Heil in der Abkoppelung von Amerika.
Das Wall Street Journal, Amerikas Flaggschiff der Wirtschaftspresse, legt dar, warum die Abspaltungsfantasien nicht in Freiheit, sondern in einer Sackgasse münden.
- Europa stand lange in Abhängigkeit dreier Riesen. In Sicherheitsfragen war es angewiesen auf die USA, in Energiefragen auf Russland und als wachsender Exportmarkt auf China. Aus dreien wurde einer: In allen drei Bereichen hängt die EU heute primär von den USA ab.
- Die USA sind für die EU der grösste internationale Markt. Ein Fünftel der EU-Exporte gehen dorthin. Ein Viertel der Erdgasversorgung kommt aus den USA. Tendenz steigend.
- US-Technologie und Finanzdienstleister dominieren Europa. Visa und Mastercard kontrollieren rund zwei Drittel der Kartenausgaben in Europa. Von Bürosoftware bis hin zu Rechenzentren hängt die EU an der Strippe von amerikanischen Technologieunternehmen.
Aber hat die EU nicht gestern erst einen Freihandel-Deal mit Indien abgeschlossen – mit zwei Milliarden Konsumenten? Und vor kurzem ein Abkommen mit vier lateinamerikanischen Ländern? Sind dies nicht Wegweiser Richtung Exit von Amerika?
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Nein, denn neue Partnerschaften mit Mittelmächten «würden sich in den Bereichen Verteidigung, Finanzen und Zugang zu fortschrittlichen Technologien wahrscheinlich weiterhin stark auf die USA stützen», so das Wirtschaftsblatt.
Kommen strukturelle Probleme der EU dazu. «Die auf Konsens basierende Regierungsführung Europas ist für die neue Welt des Wettbewerbs zwischen Grossmächten ungeeignet.»
Mit den Worten von Trumps Finanzminister Scott Bessent: «Europa ist ein regulatorischer Sumpf, der auf Bürokratie und einer Vielzahl von Vorschriften basiert, die die Wirtschaftstätigkeit und das Wirtschaftswachstum einschränken.»
Abgesehen davon könnten Europas Armeen ohne die massive Schützenhilfe der USA den Kontinent niemals verteidigen. «Träumen Sie weiter!», kommentierte Nato-Generalsekretär Mark Rutte Alleingang-Szenarien.