Wer Spass an Ironie in der Geschichte hat, kommt momentan aus dem Lachen kaum raus. Ausgerechnet Donald Trump, der vermeintliche Isolationist par excellence, führt nun einen Krieg zur Beseitigung eines brandgefährlichen Regimes, das die ohnehin instabile Region des Nahen Ostens mit Terror und asymmetrischem Krieg überzog und an der Atombombe bastelte.
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Und ausgerechnet Donald Trump, der Propagandist von America First, stellt nun das US-Militär zur Verfügung, um ein Problem zu bereinigen, das zunächst eher andere Länder betrifft als die USA selbst. Ein Grund dafür ist vermutlich psychologischer Natur: Trump würde schrecklich gern als der US-Präsident in die Geschichte eingehen, der endlich den Nahost-Konflikt gelöst hat.
Doch nicht nur Narzissmus treibt den US-Präsidenten, sondern auch die einfache Einsicht, dass America First und Make America Great Again sich gegeneinander ausschliessen. Entweder Amerika wird gross sein oder isolationistisch. Beides gleichzeitig geht nicht. Und für die Welt ist ein grosses Amerika besser als ein isolationistisches. Denn Amerika selbst muss daran interessiert sein, dass die internationale Ordnung stabil ist und halbwegs berechenbar.
Dafür braucht es nach Lage der Dinge aber eine Hegemonialmacht, die diese Ordnung durchsetzt. Und das können nur die USA selbst sein mit Unterstützung Israels und Europas. Zum einen, weil andere Mächte nicht annähernd dazu in der Lage sind – auch China nicht. Und zum anderen, weil der Hegemon USA immer noch bei weitem besser, humaner und gerechter ist als eine Welt unter der Fuchtel Pekings oder Moskaus.
Gerade wir Europäer haben jedes kulturelle, soziale und ökonomische Interesse daran, dass die USA weiterhin great sind. Ein schwaches und auf sich selbst fixiertes Amerika stürzt die Welt in Unsicherheit und Chaos und schwächt sich selbst. Donald Trump scheint das begriffen zu haben. Jetzt müssen es nur noch die Europäer verstehen.