Lima
Bislang endeten Donald Trumps drakonische Zolldrohungen meistens mit einem Deal. Nicht so im Fall von Brasilien: ab sofort erheben die USA 50 Prozent Zoll auf traditionelle Exportgüter wie Kaffee und Rindfleisch aus Brasilien. Bei rund der Hälfte der brasilianischen Produkte – namentlich Flugzeuge, Organgensaft und Treibstoff – bleibt es beim Satz von 10 Prozent. Dies, obwohl die USA gegenüber Brasilien einen Handelsbilanz-Überschuss ausweisen.
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An der Verhandlungsbereitschaft der Brasilianer lag es nicht. Präsident Lula da Silva, der Anfänglich auf eine harte Konfrontation gesetzt hatte, milderte die Tonlage in den letzten Tagen markant. Von Gegenzöllen ist nichts mehr zu hören. Brasiliens Aussenminister Mauro Vieira reiste Anfang der Woche extra nach Washington, wurde von seinem US-Amtskollegen Marco Rubio allerdings erst empfangen, nachdem Trump den Zollhammer bereits verkündet hatte.
Gleichzeitig erliess Trump eine Einreise- und Finanzsperre gegen den brasilianischen Bundesrichter Alexandre de Moraes sowie dessen engeres Umfeld. De Moraes gilt als «starker Mann» hinter Lula. Er liess zahlreiche Oppositionelle einkerkern und zeitweise soziale Medien wie X und Rumble sperren, die den höchstrichterlichen Zensurverfügungen gegen die Opposition nicht folgten. De Moraes steht auch hinter der Verfolgung von Ex-Präsident Jair Bolsonaro und dessen Entourage wegen eines angeblichen Putschkomplotts.
Der Machtkampf zwischen Lula und Bolsonaro steht sinnbildlich für den Spagat Brasiliens zwischen dem demokratischen Westen und der von China, Russland und Indien angeführten Brics-Allianz, bei dem auch der Iran mitspielt. Das erklärte Ziel der Brics ist es, die Hegemonie des Dollars im Welthandel zu brechen. Während der Altkommunist Lula da Silva, ein historischer Verbündeter der sozialistischen Diktaturen in Kuba, Venezuela und Nicaragua, die Sanktionen gegen Russland systematisch unterläuft, gilt Jair Bolsonaro als verlässlicher Verbündeter des Westens. Mit 212 Millionen Einwohnern ist Brasilien, die mit Abstand grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas, ein gewichtiger Faktor im Kampf um die Vorherrschaft auf dem internationalen Parkett. Und das erklärt auch, warum es für Trump so wichtig ist, dass die brasilianische Opposition nicht eingesperrt und zum Schweigen gebracht wird.