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Trump ist gut für Deutschland

Trump ist gut für Deutschland

Davos

US-Präsident Donald Trump hat eine intensive Woche hinter sich. Mit einer fulminanten Ansprache lancierte er sein historisches Comeback im Weissen Haus, die vielleicht grösste und unerwartetste Rückkehr eines mehrfach totgesagten Politikers auf die ganz grosse Bühne der Macht. Nun rätseln die Interpreten, was sie davon halten sollen. Auf dem Rückzug ist eindeutig das, was man früher das Trump-Verblödungssyndrom nannte. Darunter zu verstehen ist die vor allem in deutschen Medien besonders ausgeprägte Neigung, den unkonventionellen Republikaner ausschliesslich im Licht schlimmstmöglicher Deutungen, Wendungen und Unterstellungen wahrzunehmen. 

TRUMP VANCE TRANSITION TEAM HAND / KEYSTONE
epa11828751 A handout photo made available by the Trump Vance Transition Team shows US President-elect Donald Trump's official portrait, USA, 15 January 2025 (issued 16 January 2025)
TRUMP VANCE TRANSITION TEAM HAND / KEYSTONE

Nicht nur Trump, auch seine Kritiker scheinen, aus gegensätzlichen Richtungen, mit mehr Realismus in diese zweite Amtszeit zu steigen. Trump, indem er weit besser vorbereitet seinen Posten antritt als noch vor acht Jahren. Seine Gegner und Feinde, indem sie kleinlauter geworden sind, wohl auch deshalb, weil die von ihnen favorisierten Leute dermassen versagt haben, dass sich mehr Bescheidenheit zwangsläufig aufdrängte. Trump ist eine grosse Chance für die USA, für die Welt und auch für Europa, vor allem aber für das querschnittsgelähmte, wirtschaftlich dahinschwindende Deutschland, das von dieser Sturmbrise der Freiheit, die über den Ozean brandet, positiven Schub bekommen wird.

Trump ist ein Grossmeister der Selbstvermarktung, ein Virtuose des politischen Marketings. Trotzdem dürfte es wohl stimmen, wenn er sagt, dass er in den ersten drei Tagen seit seiner Amtseinführung mehr bewegt und bewirkt hat als das Sanatorium seiner Vorgängerregierung innerhalb von vier Jahren. Die ersten erkennbaren Signal-Pfosten seiner politischen Philosophie sind eindeutig konservativ und liberal. Trump hat eine ganze Batterie von Dekreten vom Stapel gelassen. Sie alle eint das Ziel, den linksgrünen Zeitgeist abzuwickeln, den Staat zurückzudrängen, Freiheit und Eigenverantwortung zu entfesseln. Der neue Präsident führt einen Blitzkrieg gegen die heutigen Dogmen: Klimatismus, Asylantismus, Ökologismus und radikaler Feminismus. Er verspricht ein «goldenes Zeitalter» und eine «Revolution des Common Sense». 

Der kluge deutsche Historiker Andreas Rödder rät, Trump ernst zu nehmen, aber nicht wörtlich. Die meisten machen es andersrum, sie nehmen ihn wörtlich, aber nicht ernst. Trumps Kampf richtet sich gegen das, was als «Wokeismus» bezeichnet wird, die neue Form eines völlig losgelösten Moralismus, der sich in alle Sphären unserer Gesellschaft hineingefressen hat. Javier Milei, der Präsident Argentiniens und geistige Wahlverwandte des US-Kollegen, spricht vom «Krebsgeschwür unserer Zeit», das es «auszurotten» gelte. So drastisch formulierte er es in seinem vom Blatt abgelesenen Schockvortrag am Davoser Forum. Den überrumpelten Anwesenden verlangte Milei ein kollektives Mea Culpa ab für alle Irrtümer und Fehler der letzten vierzig Jahre. Der Argentinier forderte ein Zurück zu den «wahren westlichen Werten». 

Bei seiner Amtseinführung hatte Trump die Ukraine und Russland mit keinem Wort erwähnt. In Davos nahm er nun anlässlich einer Videoübertragung ausführlich Stellung. Trump gelobte, das «Gemetzel» schnellstmöglich zu beenden, aber nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil «junge schöne Menschen» auf den «flachen Feldern» der Ukraine, auf den «killing fields», sinnlos zu Hunderttausenden abgeschlachtet würden. «Diesen Krieg hätte es nie geben dürfen», sagte Trump und behauptete, mit ihm als Präsidenten wäre es nie dazu gekommen. Doch leider, argumentierte er, seien nach seinem Abgang «sehr dumme Dinge» gesagt und getan worden, mit desaströsen Konsequenzen. 

Trump pflegt eine direkte Kommunikation. Und der Mann ist ein politisches Instinktgenie. Seine Bemerkung zu den «sehr dummen Dingen» war eine diplomatisch geschickte (und wahre) Selbstkritik des Westens, behutsam vorgetragen, aber unmissverständlich. Damit setzte er, als erster westlicher Politiker in hoher Stellung, einen neuen Ton. Das lässt hoffen, Trump werde die selbstgerechte Überheblichkeit seiner Vorgänger überwinden. Der Präsident scheint zu wissen, dass man den Ukraine-Konflikt nur dann dauerhaft beendet, wenn die Amerikaner die legitimen Sicherheitsinteressen Russlands nicht mehr länger ignorieren. «Woke» war eben auch die amerikanische Aussenpolitik, die Kreuzzugsideologie der «Neocons» in allen Parteien, die in der EU viele Nachbeter gefunden hat, vor allem auch am World Economic Forum (WEF). 

Trump mischt die Welt auf. Zum Guten. Die Chancen und Möglichkeiten überwiegen die Risiken. Der neue US-Präsident ist ein Pragmatiker, kein Ideologe, ein «dealmaker», und als solcher sucht er den Kompromiss. Dass er offen ausspricht, die amerikanischen Interessen zuoberst zu stellen, ist ein Durchbruch zur Ehrlichkeit. Als Wirtschaftsmann wird er die Bürokratie zurückfräsen. Während das Davoser Forum gerade ein Papier veröffentlichte, in dem es den Kampf gegen «Desinformation» und «Fake News» zur Priorität erklärte, berichtete Trump davon, wie er in den USA dem Staat verbieten werde, Meinungszensur zu betreiben unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Desinformation. «Wir haben die freie Rede gerettet», rief Trump in den Saal. Er erntete grossen Applaus, interessanterweise von einem Publikum, das sich durchaus kritisiert fühlen musste. 

Die politische Korrektheit, der «Wokeismus», wütet in Deutschland besonders heftig. Die Bundesrepublik hat eine eigenwillige Kommunikations- und Streitkultur, und in letzter Zeit ist der Abstand zwischen dem, was die Leute sagen dürfen, und dem, was sie wirklich denken, gefährlich gross geworden. Der Freiheitssturm aus Amerika dürfte jede Menge Frischluft ins Land bringen. Vermutlich werden auch die verrückten «Brandmauern» einstürzen unter der trumpschen «Revolution des Common Sense». Auf Europa, auf Deutschland kommen interessante, gute Zeiten zu. Die Stunde der Freiheit schlägt, mit einem mächtigen Taktgeber in den USA. Der Widerstand der «woken» Eliten dürfte diesmal bedeutend schwächer ausfallen als noch vor acht Jahren. Das politisch korrekte Justemilieu bricht ein, weltweit. Wie wenig stets dahintersteckte, merken viele erst jetzt.

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