Am Ende entscheiden Zentimeter und Sekundenbruchteile. In der overtime des WM-Finals in Stockholm hat der Schweizer Stürmer Denis Malgin nach 55 Sekunden den goldenen Treffer auf dem Stock. Doch der ZSC-Künstler scheitert knapp. Auf der anderen Seite macht es Tage Thompson besser – viel besser. Nach 122 Sekunden der Verlängerung schiesst er die USA zum ersten WM-Titel seit 65 Jahren – und die Schweizer ins Tal der Tränen.
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Zum vierten Mal in den letzten zwölf Jahren gewinnen die Schweizer zwar WM-Silber. Doch diesmal besitzt diese Medaille (noch) keinen Glanz. Wie hatte es doch Trainer Patrick Fischer vor dem Endspiel formuliert: «Von Silber haben wir allmählich genug».
Doch nun ist es wieder diese Farbe. Sportlich waren die vergangenen zwei Wochen zwar etwas vom Besten, was man von den Schweizern in den vergangenen 25 Jahren gesehen hat. Doch am Ende wird dieses Turnier als «die Unvollendete» in die Geschichte eingehen – zu stark fühlten sich die Schweizer, zu sehr wähnten sie sich vor dem Final in der Favoritenrolle.
Doch ausgerechnet in dieser vermeintlich optimalen Ausgangslage verliess den Trainer der Mut. Patrick Fischer liess sein Team im Moment der Wahrheit viel zu zögerlich auftreten. Von Forechecking oder offensivem Mut fehlte im Final jede Spur. Im Gegenteil: Die Schweizer liessen sich zurückdrängen und regelrecht dominieren.
So kommt man nach dem finalen Nackenschlag zu einem ernüchternden Fazit. Auch wenn sich die Schweiz als Weltklasseteam bezeichnen darf, zum WM-Titel fehlt ihm eine entscheidende Qualität: der Mut und die Kaltblütigkeit, eine aussergewöhnliche Chance resolut zu packen. So nahe dürfte die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft dem WM-Titel so schnell nicht mehr kommen. Auch deshalb wird der 25. Mai 2025 als schwarzer Tag in die Schweizer Sportgeschichte eingehen. Denn es hätte ein goldener werden können.